LBM 2014: Wie der Tannhäuser zum Sängerkrieg kam

By admin - Last updated: Dienstag, April 8, 2014 - Save & Share - Leave a Comment

Stand die Leipziger Buchmesse 2013 noch ganz im Zeichen des 200. Geburtstags Richard Wagners mit vielen neuen Titeln (wir berichteten), so sah die Messe in diesem Jahr sowohl für Wagner- als auch für Ludwig-Interessierte etwas mager aus.

Mit 237.000 Besuchern, davon 175.000 Besucher auf dem Leipziger Messegelände, hatte die Buchmesse, die sich im Gegensatz zur Buchmesse in Frankfurt am Main als Publikumsmesse mehr an die Leser wendet, wieder einen großartigen Rekord gebrochen. Beim Jahresauftakt der Buchbranche präsentierten sich 2.194 Aussteller aus 42 Ländern. Über 3.200 Veranstaltungen an 410 Leseorten boten die Vielfalt der Literatur.

Die Verlage, die sich mit König Ludwig II. von Bayern beschäftigen, hatten in diesem Jahr – wenn überhaupt – nur einige Restbestände und Dauerbrenner dabei. Selbst das Rosenheimer Verlagshaus, das sonst mit eigenen Lesungen und sogar eine Fotoausstellung präsent ist, hatte nur ein paar Ludwig-Bücher dabei.

Einen Nachzügler zu unseren beiden „Helden“ haben wir dann aber doch gefunden, die wir hier kurz vorstellen möchten:

“Wie der Tannhäuser zum Sängerkrieg kam“ – Eine Begleitschrift zur Sonderausstellung anlässlich des 200. Geburtstags Richard Wagners vom 18.05.2013 bis 31.03.2014 auf der Wartburg.

In dem von der Wartburg-Stiftung herausgegebenen Buch, das im Juni 2013 erschienen ist, schreiben acht Autoren über die Wartburg im Bild der Literatur allgemein und natürlich über den „Originalschauplatz“ von Wagners Oper. Ausführlich schildern sie, wie die Personen aus Wagners Oper „Tannhäuser“ und das Wettsingen selbst nur mit sehr viel Fantasie dem realen Ort zugeschrieben wurden. Ebenso lehrreich wie unterhaltsam erfährt der Leser in dem reich bebilderten Buch mehr über die Hintergründe und Zusammenhänge des realen Ortes mit dem Mythos.

Die Kunsthistorikerin Grit Jacobs berichtet in ihrem Kapitel „‚Propaganda für die Zukunftsmusik‘ – die Wartburg als Ort und Bühne von Wagners Tannhäuser“ über den Besuch Ludwigs auf der Burg im Jahre 1867 und seinen Eindrücken sowie über deren Einflüsse beim Bau von Neuschwanstein: „Die Anregungen, die die Wartburg für Schloss Neuschwanstein lieferte, sind bis heute unübersehbar. Sie erweisen sich am deutlichsten im Sängersaal, in dem die Trapezform der Decke des großen Festsaals der Wartburg mit seiner vorgelagerten Galerie, die formalen Grundsätze der von Michael Welter ausgeführten Malereien mit den reichen Ornamenten und Vergoldungen, zahlreiche Details, wie die geschnitzten Binderfiguren und Bänke übernommen wurden.“ Richard Wagner, der zwar nie auf Neuschwanstein, dafür aber dreimal auf der Wartburg war, hat die Wiederherstellung und Ausstattung der Burg im Geiste des Mittelalters – bei der umfangreichen Renovierung der Wartburg im 19. Jahrhundert nach Jacobs Eindrücken „eher befremdet“.

Leider beschränkt sich die Autorin aber nur auf diese eine Übereinstimmung und schildert nicht weitere Bezüge, die die Wartburg und auch der Tannhäuser auf den bayerischen König und sein Neuschwanstein hatten. Ganz ausgeklammert ist so zum Beispiel das Bildprogramm im Arbeitszimmer, das ganz dem Tannhäuser gewidmet ist, oder dem Speisezimmer, das ebenfalls Motive der Wartburg und des Sängerkriegs aufgenommen hat.

Wer mehr über die Wartburg und seine Geschichte sowie die Oper und ihre Interpretationen erfahren möchte, ist mit diesem Buch gut beraten.

Weitere Informationen zur Ausstellung finden Sie hier: http://www.eisenach.de/Richard-Wagner.3696.0.html

Die Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, die inzwischen mehrere Verlage unter einem Dach vereint, hatte zwar einen frischen Katalog und zwei Bändchen über Ludwig dabei, konnte aber leider auch nicht mit einem genauen Erscheinungstermin des erwarteten Buches von Alfons Schweiggert zur demnächst beginnende Ausstellung über Bernard von Gudden nicht wirklich dienen. Die beiden aktuellen Bücher von ihm (eines davon wieder in Kooperation mit Erich Adami) werden – nach Erscheinen – natürlich wieder hier besprochen.

Im nächsten Jahr findet die Buchmesse in Leipzig vom 12. bis 15. März 2015 wieder statt.

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