„Ludwig – der Film“, 2012


Ludwig – der Film

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Ludwigiana – Ludwig, der Film 2012

Mit schnellem Ritt peitscht der junge Kronprinz auf seinem Pferd durch das Bild, begleitet von schwungvoller Musik. Dynamisch beginnt der Film, vielversprechend steigt der Zuschauer in die Geschichte des bayerischen König Ludwig II. ein, der Film verliert dann aber kontinuierlich an Tiefgang.

Am 26.12.2012 kommt der Film von Peter Sehr („Kaspar Hauser“, 1993) und Marie Noelle („Die Frau des Anarchisten“, 2008) offiziell in die Kinos. Der Film ist eine Produktion von Bavaria Pictures (einer Tochter der Bavaria Film GmbH) und zahlreichen Koproduzenten, darunter viele öffentlich-rechtliche Sender, wie BR, ARD, WDR, SWR und ORF, sowie der P’Artisan Filmproduktion GmbH (gegründet 1988 vom Ehepaar Sehr/Noelle). Gefördert wurde der Film elf Geldgebern. Dies und das ergänzende Schulmaterial lässt stark auf eine spätere Verwertung im Fernsehen schließen.

Die Autoren erheben den Anspruch, sich mehrere Jahre mit dem Thema, auch und gerade unter Hinzuziehung bisher unveröffentlichter Dokumente beschäftigt zu haben. Nun mag sich der „normale“ Kinogänger nicht unbedingt mit Details zu beschäftigen, unter der Lupe betrachtet, fallen aber schnell einige Patzer auf.

Die Darsteller tragen ihre Orden wie Faschingsabzeichen; so trägt mal der König, mal sein Minister den österreichischen/spanischen Orden vom Goldenen Vlies. Prinz Luitpold trägt im Film den bayerischen Militärverdienstorden von 1866 bereits einige Jahre vor dessen Stiftung.

Ab und an überrascht der Film mit einigen gelungenen optischen Highlights – bietet aber der Stoff, aus dem Ludwigs Leben ist, doch viel mehr. Technische Projekte, wie die geplanten Ballonfahrten nach Neuschwanstein oder andere Fantasien des Königs hätten leicht, aber wirkungsvoll umgesetzt werden können.

Die immer wieder betonten authentischen Drehorte sind eher durchschnittlich inszeniert. Der Hof der im Bau befindlichen Burg Neuschwanstein erinnert an einen Mittelaltermarkt, die Baustelle selbst ist recht gut umgesetzt (der unfertige Turm ist digital zurechtgestutzt). In Räumen von Linderhof und Herrenchiemsee wurde offenbar gar nicht gedreht. In Neuschwanstein dienen der Thron- und der Sängersaal mal als Arbeitszimmer, mal als Speisesaal. Der Thronsaal müsste ja als gerade fertig gestellter Raum frisch und leuchtend erscheinen, man sieht aber deutlich die abblätternde Farbe. Weitere Räume und Bauten Ludwigs erscheinen – wenn überhaupt – nur als Zeichnung auf dem Papier.

In Versailles wurde mehrfach gedreht, dafür fehlen Bayreuth oder der Hofzug. Schloss Berg, das heute vollkommen anders aussieht, ist sowohl außen als auch in den Räumen gut dargestellt.

Wichtige Persönlichkeiten wie Cosima Liszt oder Josef Kainz tauchen gar nicht auf, als Vertreter der Sänger, auf deren Erscheinung und Können Ludwig großen Wert legte, tritt einzig Heinrich Vogl, dazu noch eher als Witzfigur, auf. Und auch Johann Lutz scheint hier jemand völlig anderes gewesen zu sein.

Die „witzigen“ Szenen, zur auflockernden Unterhaltung durchaus wünschenswert, bleiben bescheiden – bei flapsigen Auftritten Richard Wagners oder bei Kritzeleien Ludwigs auf seinem Portrait, das er Wagner bei der ersten Kontaktaufnahme übergeben lässt. Dieser erste Kontakt wurde nicht durch Lutz (wie im Film), sondern durch Pfistermeister eingeleitet, der wiederum nie in Sachsen und damit auch nicht 1848 für Wagners Fahndung (wie im Film) verantwortlich war.

Richard Wagner und seine großartige Musik sind nur mit Szenen aus „Lohengrin“ und „Tristan und Isolde“ vertreten. Dabei waren seine Meisterwerke nicht nur musikalisch, sondern auch inhaltlich für Ludwig von herausragender Bedeutung und finden sich in nahezu allen Bauten Ludwigs.

Der in Leipzig geborene und sächsisch sprechende Wagner bedient sich im Film nur kurz und wohl ironisch seiner Heimatsprache. Dafür haben die Polizisten, die zum Schluss Schloss Berg bewachen sächsische Uniformen (sic!).

Der Kuss Ludwigs mit seinem „anderen“ Richard (Hornig) wird zwar dargestellt – was bisher wohl nur in Manga-Comics möglich war und auch in Viscontis Film fürs Kino zensiert werden musste – insgesamt hält sich der Film aber mit weiteren „Wagnissen“ zurück.

Sabin Tambrea, ein auf der Leinwand bisher eher Unbekannter, hat aber schon verschiedene Sprecherrollen gehabt und war schon im Fernsehen („Polizeiruf 110“) zu sehen. Er ist Tänzer, Sänger und Theaterschauspieler und wurde noch während seines Schauspielstudiums am Berliner Ensemble aufgenommen, wo er regelmäßig auftritt. Mit seiner Darstellungskunst verkörpert er Ludwigs Charakter ideal – nur hier und da wirken überzogene Frisuren und Gesten eher wie eine Karikatur. Ab dem Wechsel des Ludwig-Darstellers verliert der Film leider etwas an Stärke, was aber nicht an der schauspielerischen Fähigkeit des Darstellers (Sebastian Schipper) liegt.

Die Regisseure wagen weder einen fantasievollen künstlerischen Neuentwurf von Ludwigs Leben, noch hält man sich an bekannte Fakten. Der Mensch Ludwig wird nicht neu interpretiert, es bietet sich keine Identifikationsfigur. Der Film gipfelt in der Darstellung des vollkommen ausgerasteten Insassen einer Irrenanstalt mit Zwangsjacke. Die bayerische Regierung, die königliche Familie wollen „nur das Beste“ und der völlig unkritisch dargestellte „Selbstmord“ im Wasser straft jegliche aktuelle Ludwigforschung Lügen.
Nein, der Funke ist nicht übergesprungen. Der Film erscheint sowohl aus historischer als auch aus künstlerischer Sicht belanglos.
Lesen Sie hier die Kritiken des mehrfachen Buchautors Alfons Schweiggert und des Filmkenners Stefan Klein.

Alfons Schweiggert
Ludwig II.  – ein Portrait ohne Tiefgang

Angekündigt als das große Kinoereignis des Jahres 2012 – zumindest aus deutscher Sicht – kommt der mit Spannung erwartete neue Film über König Ludwig II. zu Weihnachten 2012 in die Kinos. Erst 40 Jahre nach Visconti Meisterwerk wagte man sich 2012 an die Realisierung dieses als Mammutproduktion angekündigten neuen Projekts. Ein stolzes Budget über 16 Millionen Euro stand zur Verfügung. Ein Team von 120 Leuten reiste an 70 Drehtagen zu 100 Sets, darunter auch zu schwer zugänglichen Originalschauplätzen, wie Schloss Neuschwanstein oder Linderhof. Eine Garde respektabler Schauspieler, darunter Edgar Selge als Richard Wagner, Hannah Herzsprung als Sisi, Katharina Thalbach als Ludwigs Mutter Marie und Uwe Ochsenknecht als Prinz Luitpold verkörperten die Hauptrollen. Einer Neuentdeckung, Sabin Tambrea, einem blassen, fast zerbrechlich wirkenden jungen Mann vertraute man die Titelrolle an. Mit dem Oskar nominierten Christian Berger stand ein Könner hinter der Kamera und auch das sonstige Team hatte man sorgfältig ausgewählt.

Die Entstehung des Films war begleitet von vollmundigen Ankündigungen. So versprach das Regie- und Autoren-Duo Peter Sehr und Marie Noëlle Ludwig II. als Visionär und tragische Gestalt herauszuarbeiten. Man wolle sich „an aktuellen Erkenntnissen orientieren, die einen genaueren, privateren Einblick in Ludwigs  Leben erlauben, als dies bisher möglich war.“ Dadurch würde ein „faszinierend neues und vielschichtigeres Bild des ‚Märchenkönigs‘ entstehen, als man es bisher kannte.“ Doch wird der Film diesem hohen Anspruch gerecht?

Sein Inhalt ist rasch erzählt: Ludwig ist erst 18 Jahre alt, als er nach dem plötzlichen Tod des Vaters, König Maximilian II., zum bayerischen König ausgerufen wird. Der kunstsinnige junge Herrscher will statt in Kriege in Kultur investieren. Als großer Fan der Opern Richard Wagners beruft er den Komponisten an seinen Hof und glaubt an die Veredelung der Menschen durch Kunst und Musik. Doch Bayern wird in Kriege mit Preußen und  Frankreich verwickelt und erleidet bittere Niederlagen. Seine Minister lehnen die kostspielige Förderung Wagners ab. Die Auflösung seiner Verlobung mit Sophie erregt im Volk Widerwillen. Seine Affinität zu Männern bereitet ihm Schuldgefühle. Ludwig zieht sich aus dem öffentlichen Leben zurück, flüchtet sich immer mehr in Traumwelten und widmet sich seinen phantastischen Schlossbauten, während seine Gegner an Macht gewinnen. Sie formieren sich und stürzen ihn schließlich in den Untergang. Ludwig scheitert als Visionär und als König.

Die Ausstattung des Films ist zweifellos prunkvoll. Großartig die Szenenbilder, die Kostüme und Masken. Die Königsloge im Cuvilliés-Theater beeindruckt ebenso wie die goldene Kutsche vor Berglandschaft, das Schloss Neuschwanstein, noch mit Baugerüst oder das Lichtermeer im Spiegelsaal von Herrenchiemsee und Szenen in der Münchner Residenz. Die Schauspieler versuchen ihr Bestes zu geben, aber dennoch erreicht der Film das angestrebte Ziel nicht.

Neben diversen biographischen Unrichtigkeiten irritiert insbesondere die Sprunghaftigkeit in den Szenenfolgen. Es entsteht der Eindruck, als würden hier beliebig ausgewählte Anekdoten aus dem Leben des Königs aneinandergereiht: Ludwig der leidenschaftliche Reiter, Ludwig der Wagnerverehrer, Ludwig der Pazifist, Ludwig der Schlösserbauer. Da sind Zitate aus dem Zusammenhang gerissen, da werden Geschehnisse unrichtig wiedergegeben. Bei der Inthronisation trug Ludwig keine Königskrone auf dem Kopf. Nicht Johann Lutz wurde ausgesandt, um Richard Wagner aufzuspüren, nein, es war Ludwigs Kabinettsekretär Pfistermeister. Und auf seiner Frankenreise stand der König nicht vor einem mit gefallenen Soldaten gefüllten Massengrab. Schleudert Ludwig seine Verlobte Sophie etwa bei einem Kussversuch angewidert zu Boden, soll wohl sein Erschrecken über diese Annäherung zum Ausdruck gebracht werden. Der Realität entspricht diese Schilderung aber nicht. Von einer Szene zur nächsten spürt man den Zeitdruck, unter dem Drehbuch und Regie standen, sodass Ludwigs Eigenheiten jeweils nur kurz zitiert werden. So wird etwa seine vielschichtige Homosexualität durch eine Kussszene mit dem Stallmeister Richard Hornig angedeutet und durch einen Schwur aus dem Tagebuch Ludwigs, den beide gemeinsam sprechen. Dem höchst differenzierten Seelenleben des Königs wird man mit derartigen Blitzlichtern kaum gerecht.

Besonders im letzten Teil des Films mit Sebastian Schipper in der Rolle des älteren Ludwig kommt es zu drastischen Verwerfungen. Ludwig steht förmlich neben den ihn betreffenden Ereignissen. Vor allem die kolportagehafte Darstellung seiner Entmündigung weist inhaltliche Fehler auf. Die Aktionen der beiden Fangkommissionen sind auf eine reduziert. Die plumpe Behandlung des Königs in Schloss Berg durch die Pfleger hat sich so nicht ereignet. Eigenwillig auch das hektisch inszenierte und zeitlich geraffte Ende. Erneut wird der bis heute ungeklärte Tod so dargestellt, als bestünden keine Zweifel mehr am Ablauf der einstigen Katastrophe.

Der Film wollte eine Persönlichkeit zeigen, die eine bessere Welt erschaffen möchte und einen Mensch, gefangen zwischen persönlichem Sein und dem Anspruch seines königlichen Amtes. Doch statt eines vielschichtigen Porträts bleibt weiterhin das Bild eines klischeebehafteten Königs. In Viscontis Ludwig-Film von 1972 glückte es Helmut Berger beinahe beängstigend, das Leben des Königs in allen  Facetten zu durchleiden. Die beiden Ludwigdarsteller im neuen Film – sicherlich bedingt durch zwingende Vorgaben der Regie und des Drehbuchs – waren mit dieser schwierigen Aufgabe überfordert. Vielleicht benötigt man, um der Gestalt Ludwigs II. und der Komplexität seines Lebens gerecht zu werden mehr als 130 Minuten. Nur so kann eine gedrängte Aneinanderreihung von oberflächlichen Szenensplittern vermieden werden. Warum König Ludwig II. zum Mythos wurde, warum er uns mehr als 125 Jahre nach seinem Tod, immer noch fasziniert, dies zu verdeutlichen, gelingt dem Film nicht. Ob er zu einem Kassenerfolg wird, entscheidet das Publikum. Der mit dem Leben und Wirken Ludwigs vertraute Historiker und Forscher kann den Film leider nicht als großen Wurf bezeichnen.

Alfons Schweiggert ist Autor zahlreicher Veröffentlichungen und Illustrator. Zum Thema König Ludwig II. ist zuletzt im Mai 2012 sein Buch „Kleines ABC der Schlösser Ludwigs II.“ (zusammen mit Erich Adami) erschienen. Er wurde seit 1976 mit zahlreichen Literatur-Auszeichnungen bedacht und gilt als ausgesprochener König-Ludwig-Kenner.

Stefan Klein
Konventioneller Kostümschinken mit großartigem Hauptdarsteller

Es ist mal wieder soweit – Ludwig II. kommt ins Kino. Wie immer sind die Erwartungen hoch. Nicht nur, weil der warme Regen aus Fördermitteln aus allen erdenklichen Quellen zum Erfolg verpflichtet – sondern weil jede Neuverfilmung auch an Viscontis Ludwig gemessen wird, der von Helmut Berger eigentlich unvergleichlich dargestellt wurde.Daher sind solche Vergleiche natürlich ungerecht. Denn einen künstlerischen Solitär wie Viscontis Meisterwerk, kann man einfach kein zweites Mal erschaffen. Also muss der „neue“ Ludwig für sich stehen, für etwas eigenes, vielleicht für einen neuen Blickwinkel.Der androgyn wirkende Schlaks Sabin Tambrea gibt dem jungen Ludwig etwas kindlich Naives. Als introvertierter Träumer verachtet er nicht nur alles Militärische, sondern auch seine Eltern, deren Erwartungen er nur enttäuschen kann.

In leicht gekrümmter Körperhaltung, so als hätte er Angst, sich irgendwo den Kopf zu stoßen, drückt Tambrea Ludwigs Unlust, sich auf das Herrschersein vorzubereiten manchmal etwas zu plakativ aus. Andererseits ist der 1,93 Meter hohe gebürtige Rumäne mit Abstand das größte Highlight des ganzen Films.

Seine Darstellung des Ludwig, die fast schon etwas Ätherisches hat, steht im Kontrast zur schauspielerischen Hausmannskost, die vom restlichen Ensemble geliefert wird. Justus von Dohnányi mutiert als Freiherr von Lutz von kriecherischer Unterwürfigkeit zu Machtgier. Hannah Herzsprung als Sisi kann gut reiten und rumzicken. Katharina Thalbach als Ludwigs Mutter fällt als Preußin auch nicht weiter aus dem Rahmen.

Von schockierender Klamaukhaftigkeit ist allerdings der von Edgar Selge verkörperte Richard Wagner. „Sach ma…“ – so stürmt er, Ludwig duzend, in des Königs Gemächer. Und damit es auch noch ein wenig sächselt, wird die „Kunst“ zur gekünstelten „Gunst“. Wagner als kauziger Giftzwerg mit cholerischen Anwandlungen – dem Verhältnis von Ludwig und Wagner dürfte das kaum gerecht werden. Man ist ob dieser Lächerlichkeit fast schon wieder dankbar, dass auch Wagner hier nur als Randfigur auftaucht.

Wirklich sehenswert ist dagegen der von Tom Schilling gespielte Prinz Otto. Der Wahnsinn, der sich hier Bahn bricht, geht wirklich unter die Haut und zählt zu den stärksten Szenen des gesamten Films.

Eher verbrämt spielt Ludwigs mittlerweile unbestrittene Homosexualität eine Rolle. Keine Erwähnung findet der von Ludwig bewunderte Schauspieler Josef Kainz. Einzig die Beziehung, wenn man es denn so nennen soll, zu seinem Oberstallmeister Richard Hornig, wird hier angedeutet. Friedrich Mücke spielt Hornig als treue Seele und rechte Hand des Königs. Verdammenswerte sexuelle Begierde wird hier bestenfalls durch Blickkontakt symbolisiert – nicht zu vergessen ein scheuer Kuss, bei dem die Roseninsel für kurze Zeit im Herr-der-Ringe-Look erstrahlt.

Ein weniger scheuer Kuss, und zwar diesmal von Jugendfreundin Sophie, lässt den König seine Contenance verlieren und führt zur Absage der Hochzeit. Bis dahin wird die Beziehung der beiden fernab von der historischen Wahrheit als Romanze inszeniert – man kennt und liebt sich eben seit Kindesbeinen an. Nicht einmal ein Hauch von Zweifel wird Ludwig gegönnt. Im Gegenteil – es wird so getan, als wäre die Vermählung Ludwigs Idee, in deren Verwirklichung er sich aus freien Stücken und voller Inbrunst stürzt.

Mit dem Wechsel des Hauptdarstellers zu Sebastian Schipper, der den alten Ludwig wie einen tapsigen Teddybär spielt, bricht auch der Film in zwei Hälften. Während der erste Teil noch von der Präsenz des Hauptdarstellers getragen wird, werden im zweiten Teil einfach alle Exaltiertheiten aneinander gereiht. Ausufernde Fressorgien, nächtliche Ausflüge und Lakaien, die den dicken König den Berg hinaufschieben müssen. Spätestens jetzt wird es belanglos – man weiß eben, was kommt.

So stolz man wahrscheinlich darauf ist, an Originalschauplätzen gedreht zu haben, so unecht wirkt das ganze. Die blassen und bröckeligen Wandbilder von heute sind eben nicht mehr die frisch bemalten, die es damals eigentlich hätten sein müssen.

Es kommt wie es kommen muss – Ludwigs Leben endet im Starnberger See. Irgendwelche Details oder historische Unklarheiten werden mittels Zeitlupe und Weichzeichner weggetüncht.

Man merkt dem Film die Anstrengung an, so viele Facetten aus Ludwigs Leben wie nur irgend möglich zu zeigen. Die Verkettung vieler kleiner Episoden ergibt dabei aber keinen Spannungsbogen, der einen über mehr als zwei Stunden mitreißen könnte.

So bleibt es bei einem eher konventionellen „Kostümschinken“, dem mehr Mut zur eigenen künstlerischen Form gut getan hätte.
Als geheimnisumwitterte Legende ist Ludwig II. bis heute eine Figur, deren Zerrissenheit zwischen Traum und Wirklichkeit viele Ansatzpunkte für großes Kino böte. Diese Chance wurde hier aber leider verpasst.

Soundtrack

Der Original-Soundtrack wurde von dem französischen Filmkomponisten Bruno Coulais geschrieben, der zahlreiche Filme vertonte, darunter die Highlights „Die Kinder des Monsieur Mathieu“ (2003) oder „Unsere Ozeane“ (2011).

Die Musik hält sich im Film angenehm zurück und untermalt die dynamischen Szenen sehr passend, bleibt insgesamt aber unheimlich und beängstigend. Das Alptraumhafte des Lebens, der Visionen König Ludwig II. werden passend vertont.

Das Münchener Rundfunkorchester und der Chor des Bayerischen Rundfunks (Dirigent: Ulf Schirmer) sowie die Solisten leisten bei den 28 Titeln handwerklich gute Arbeit.

Sieben Titel stammen aus der Feder Richard Wagners („Lohengrin“, „Tristan und Isolde“ und „Parsifal“) und bieten einen Einblick in dessen Werk. Da der Soundtrack natürlich in chronologischer Reihenfolge zum Film wiedergegeben wird, stehen diese Titel ansonsten recht zusammenhanglos.

Die CD ist zur Vervollständigung des Films interessant und bei einem Preis von 15,99 Euro erschwinglich.

Michael Fuchs, 24.12.2012

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Ludwigiana – Ludwig, der Film 2012

 

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