König-Ludwig-Weg: Vom Starnberger See bis nach Füssen

By admin - Last updated: Samstag, Januar 16, 2016
Christel Blankenstein: König-Ludwig-Weg

Christel Blankenstein: König-Ludwig-Weg

König-Ludwig-Weg
Christel Blankenstein
Berg und Tal Verlag, München 2015
ISBN 978-3-939499-42-8
128 Seiten mit Übersichtskarte und sieben Routenkarten, 14,90 EUR


Der offizielle König-Ludwig-Weg wurde 1977 als Fernwanderweg angelegt. Er beginnt in Berg am Starnberger See und endet in Füssen. Mit einer Gesamtlänge von ca. 120 Kilometern ist der Weg in fünf bis acht Tagen zu bewältigen. Im Sommer 2014 wurde der Weg überarbeitet und im Verlauf etwas geändert. Der Weg ist mit einem „K mit Krönchen“ gekennzeichnet und die über 20 Attraktionen sind vor Ort mit einem QR-Code ausgestattet; dazu gibt es eine iPhone-App.

Die „Reise- und Freizeitjournalistin“ Christel Blankenstein ist den Weg gewandert und hat dabei das kleine Taschenbuch „König-Ludwig-Weg“ liebevoll zusammengestellt; sämtliche Fotos stammen von ihr.

 

Kapitel und Etappen:
Einführung Der König-Ludwig-Weg Markierung/Richtung, Schwierigkeit, Jahreszeit/Wetter, Wanderinfos
König Ludwig II. von Bayern Die Königswürde, Der fortschrittliche König, Die Schlösser, Die Entmachtung, Anmerkung
Die Etappen 1. Etappe: Berg-Herrsching

1a. Landroute: Herrsching-Raisting-Wessobrunn Herrsching-Raisting-Dießen

2. Etappe: Dießen-Paterzell

3. Etappe: Paterzell-Rottenbuch

4. Etappe: Rottenbuch-Trauchgau

4a. Route über Steingaben: Wieskirche-Steingaden-Hegratsdriedsee

5. Etappe: Trauchgau-Füssen

Serviceteil Übernachten
Anreise Flugzeug, Bahn, Auto, Bus, Wandern ohne Gepäck, Gepäcktransport, Tourismus-Informationen
Wichtiges zum Schluss Notruf, Ärzte, Apotheken, Einkaufen, Karten, Ausrüstung, Wetter, Gewitterregeln, Hunde, Hinweise
Register

 

Die fünf Etappen (mit zwei Alternativ-Etappen) beginnen jeweils mit einigen allgemeinen Informationen und schildern dann den eigentlichen Wegverlauf mit den „Infos“. In den Vorab-Informationen finden sich wichtige Hinweise, wie z. B. die Verkehrsanbindung, Streckenlänge, Charakter der Strecke, Einkehrmöglichkeiten, Öffnungszeiten der auf dem Weg befindlichen Objekte, Informationen zum Baden, zur Schifffahrt, Informationsmöglichkeiten (mit Kontaktdaten). Der eigentliche Wegverlauf ist mit einer Detailkarte ergänzt.

Die „Info“-Texte sind betont sachlich, fast lexikalisch, formuliert. Die einführende Biografie König Ludwig II. von Bayern ist sehr objektiv geschildert – so werden z. B. die verschiedenen Versionen der Todesursache benannt. Die Fremdbestimmtheit des Königs wird hervorgehoben (Kriege und Bündnisse). Sein Hang zu technischen Neuerungen und der Offenheit zum „Fortschritt“ wird der Verspieltheit und Romantik seiner Bauten gegenübergestellt.

Die Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth (Seite 15) rief allerdings nicht Ludwig ins Leben (die Idee hatte Wagner schon selbst) und der geplante „Chinesische Sommerpalast“ (Seite 17) wurde nicht nach dem „Pekinger Winterpalast“ entworfen, sondern nach dem Sommerpalast Yuen Ming Yuen.

In erster Linie handelt es sich aber um einen „Wanderführer“ und da kann man über kleinere Fehler hinwegsehen; so ist der korrekte Titel von Wagners Opernzyklus „Der Ring DES Nibelungen“ und der Schlossherr von Possenhofen, Maximilian, war Herzog IN Bayern, einer Nebenlinie der Wittelsbacher (beides Seite 24).

Die Informationen in den einzelnen Etappen sind sehr umfangreich und hilfreich; es gibt zum Beispiel Objekte, in denen keine Besichtigung möglich ist. Der Hinweis ist sehr wichtig, damit man nicht vor verschlossenen Türen steht und die Zeit entsprechend anders nutzt. Da die einzelnen Etappen zum Teil recht lang sind, bietet die Autorin auch hin und wieder den Tipp: „wer noch fit ist“ kann weiter wandern – alle anderen nehmen den Bus.

Innerhalb der Etappen hätte man durchaus noch mehr Bezug zum Namensgeber „König Ludwig“ nehmen können. Das Kapitel über Steingaden (Etappe 4a: Seite 84-91) beispielsweise hätte die Gelegenheit geboten, den dort geborenen Alfred Eckbrecht von Dürckheim-Montmartin, Flügeladjutant und letzter Vertrauter des Königs und seinen dortigen Familiensitz sowie die Grabkapelle zu erwähnen.

Auch das auf dem Titelbild verwendete und in der Nähe des Zielortes Füssen gelegene Schloss Neuschwanstein hätte einige weitere Informationen verdient.

Die in den einzelnen Kapiteln angegebenen Informationsmöglichkeiten werden im „Serviceteil“ noch ergänzt. Dazu gibt es weitere Kartentipps („Kompass„) – wünschenswert wären hier noch Tipps zum Weiterlesen, wie Internet-Links oder Literaturhinweise, gewesen.

Insgesamt ein sehr schönes, kompaktes Büchlein, das sowohl zur Reise- und Wander-Vorbereitung dient, als auch praktisch für unterwegs, während der Tour(en) ist.

© Michael Fuchs, Berlin
16.01.2016

Weitere Reisebücher finden Sie auf unserer Seite http://www.ludwig2bayern.de/literatur/reisebuecher/

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Löwen in Bayern – der bayerische Löwe

By mifu - Last updated: Sonntag, August 23, 2015
Besucherinformation 2015

Besucherinformation 2015 Staatliche Schlösser und Gärten in Bayern.

Jedes Jahr erscheint eine aktualisierte Besucherinformation (zweisprachig: deutsch/englisch) von der Bayerischen Schlösserverwaltung mit den wichtigsten Informationen zu den Staatlichen Schlössern und Gärten in Bayern.

Jeder Sehenswürdigkeit ist (mindestens) eine Seite gewidmet: Ein Foto mit einer kurzen Erläuterung wird flankiert mit einer farblich abgesetzten Info-Spalte.

Darin findet man „Information“, also Anschrift und Kontaktmöglichkeiten (Telefon, Telefax, Mail) und – falls vorhanden – die Internet-Adresse. Dazu werden die Öffnungszeiten, die jahreszeitlich variieren können, und Daten zu Führungen angegeben. Auch Preise und Informationen für behinderte Besucher sind nicht ganz unwichtig, ebenso wie meist vorhandene Museumsläden und Cafés. Parkplätze und vor allem die Möglichkeiten der Anreise mit dem öffentlichen Nahverkehr werden angegeben.

Das Heft wird mit einer ausklappbaren Übersichtskarte und einer alphabetischen Objektliste abgerundet.

Wer also die ganzen Angebote der 45 Burgen, Schlösser und Residenzen und 25 historischen Gärten genießen möchte, sollte sich das schmale Heftchen für 1 Euro zulegen und wird an einer günstigen Jahreskarte (45 Euro) nicht vorbeikommen. Es lohnt sich!

Die Broschüre gibt es in den Shops, kann aber auch direkt bestellt werden.


Nicht ganz zufällig ist auf dem Titelbild der Broschüre ein „schildhaltender Löwe“ vor der Residenz in München abgebildet.

2015 steht nämlich ganz im Zeichen des bayerischen Löwen – diesem widmet sich eine Wanderausstellung, die den Löwen aus und in verschiedenen Perspektiven zeigt.

Die Ausstellung begann am 22.05.2015 in der Residenz München und ist inzwischen zur Residenz Ansbach gewandert (dort bis 13.09.2015). Weitere Standorte werden sein: Schloss Johannisburg in Aschaffenburg (02.10.-15.11.2015), Schloss Neuburg an der Donau (04.12.2015-24.01.2016), Neue Residenz Bamberg (19.02.-03.04.2016) und schließlich Neues Schloss Herrenchiemsee (06.05.-26.06.2016).

Der vollständige Informations-Prospekt kann hier heruntergeladen werden.


 

Löwen aus Bayerns Schlössern und Burgen

Löwen aus Bayerns Schlössern und Burgen. Eine Sonderedition des Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat.

Zu dieser Wanderausstellung ist eine Sonderedition des Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat erschienen.

Die 144 Seiten starke Publikation ist für 10 Euro zzgl. Versandkosten bei der Schlösserverwaltung erhältlich.

Dabei handelt es sich nicht speziell um einen Ausstellungskatalog, sondern eher eine Ergänzung zur Ausstellung mit zahlreichen Informationen zu den Objekten, die natürlich auch vorgestellt werden. Darüber hinaus ist es eine exzellente Präsentation der verschiedenen Orte, an denen eben jener Löwe dargestellt wird.

Obwohl es im Europa des Mittelalters keine (frei lebenden) Löwen gab, wurden sie aber in den antiken Mythologien schon erwähnt. Auch in Dichtung und Fabeln (wie z. B. der Bibel) kommt der Löwe ebenso wie als Beinamen (z. B. Richard Löwenherz) vor.

Als Wappen und Symbol taucht der Löwe etwa Anfang des 12. Jahrhunderts auf und steht für Vornehmheit, Tapferkeit, Ritterlichkeit, Kraft, Stärke, Mut und natürlich Macht.

Warum ist der Löwe aber nun Bayerns Wappentier?

Dr. Markus Söder, MdL, Bayerischer Staatsminister der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat, schreibt dazu im Vorwort:

Der Löwe als heraldisches Symbol ist kurzpfälzischen Ursprungs und stand darüber hinaus jahrhundetelang für Altbayern. (…) Unter anderem steht er auch für das Land Bayern, dessen Symboltier er besonders im 19. Jahrhundert wurde. Damit bildete er eine Alternative zum preußischen Adler.

Zu den Exponaten und deren Auswahl schreibt Dr. Söder:

Für die Wanderausstellung werden Löwen aus den verschiedenen bayerischen Regionen, unterschiedlichen Zeiten und aus unterschiedlichen Materialien zusammengeführt. Die ausgewählten Exponate stellen eine „Menagerie bayerischer Löwen“ dar und erzählen unterschiedliche Geschichten zu ihrer Herkunft, Bedeutung und Funktion.

In fünf Kapiteln geht das Autorenkollektiv der Museumsabteilung der Bayerischen Schlösserverwaltung, München, auf die Fährte des bayerischen Löwen:

Wenn auch König Ludwig II. von Bayern ein bisweilen gespaltenes Verhältnis zu Bayern hatte, so war es doch seine Heimat und selbstverständlich taucht der bayerische Löwe auch in/bei seinen Bauten auf. So z. B. auf dem Dach von Neuschwanstein und im Park von Linderhof.

Katharina Heinemann M.A., Referentin in der Museumsabteilung der Schlösserverwaltung, schreibt (S. 94) über den „unerwünschten Löwen“ in Schloss Herrenchiemsee. Im Paradeschlafzimmer, das dem französischen König Ludwig XIV. gewidmet ist, mussten Löwen als Halter des Rautenwappens zwei Jahre nach deren Fertigstellung (1883) entfernt werden. Die Bavaria mit ihrem Löwen wacht aber bis heute an der Stirnwand oberhalb des Bettbaldachins. Für Heinemann Ausdruck „einer gewissen Inkonsequenz“.

Das Buch ist graphisch ganz hervorragend und mit den zahlreichen Bildern unterhaltsam gestaltet. Es ist darüber hinaus lehrreich mit Informationen zur Heraldik und natürlich zur bayerischen Geschichte.

(c) Michael Fuchs, Berlin
August 2015


 

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Traumschlösser? – Die Bauten Ludwigs II. als Tourismus und Werbeobjekt

By admin - Last updated: Donnerstag, Juli 16, 2015
Traumschlösser

Traumschlösser? Die Bauten Ludwigs II. als Tourismus- und Werbeobjekte

Marcus Spangenberg / Bernhard Lübbers
Traumschlösser? Die Bauten Ludwigs II. als Tourismus- und Werbeobjekte
Dr. Peter Morsbach Verlag, Regensburg 2015
ISBN: 978-3937527833
249 Seiten, 19,95 EUR

Der Macher

Marcus Spangenberg, Kunsthistoriker aus Regensburg, ist einer der jüngeren ausgewiesenen Kenner des bayerischen Märchenkönigs Ludwig II. Um dieses Thema hat er viele Bücher geschrieben, Vorträge in der ganzen Welt gehalten und Exkursionen mit der VHS zu den verschiedensten Stätten die dem Märchenkönig von Bedeutung waren gemacht. Sein Spezialgebiet aber ist die Vermarktung Ludwigs II. und seiner Schlösser. Dazu hat er eine sehr umfangreiche Privatsammlung aufgebaut.

Die Ausstellung

Einen Teil seiner Schätze hat der Kurator Marcus Spangenberg zusammen mit der bayerischen Staatsbibliothek Regensburg zu einer imposanten Ausstellung zusammen-gestellt, die noch bis zum 31. August in den Räumen der Staatsbibliothek in Regensburg zu sehen ist. Diese Ausstellung hat seit ihrem Beginn eine große Publikumsresonanz erfahren. Wie wichtig interessant und spannend diese Ausstellung ist kann man daran erkennen, dass zur Eröffnung viele hochkarätige Gäste aus der Geschichtswissenschaft und sogar ein Vertreter des Hauses Wittelsbach anwesend war.

Im 170. Geburtsjahr Ludwigs II. und zum bevorstehenden 130-jährigen Jubiläum der Öffnung der Königsschlösser beleuchtet die Ausstellung – ausgehend von den eigentlichen Absichten des Bauherren – die historische Entwicklung der Bauten zu Touristen-Magneten und die Folgen bis hin in die Werbung.

Mit rund 220 Objekten (alle aus der Regensburger Privatsammlung Marcus Spangenberg) ist die Ausstellung überschaubar und in ca. 2 Stunden zu begehen.

Das Begleitbuch

Zu der Ausstellung wurde ein Begleitbuch herausgegeben, das den Ausstel-lungskatalog und einige hervorragende Aufsätze verschiedener Autoren enthält.

Nur wenige Wochen nach dem bis heute mysteriösen Tod des bayerischen „Märchenkönigs“ Ludwig II. (1845 – 1886) begann der Ansturm auf die von ihm als „Heiligtum“ verstandenen Schlösser Neuschwanstein, Linderhof und Herrenchiemsee. Seither haben Millionen die be-rühmten Bauwerke besucht. Und ein Ende der bis heute ungebrochenen Anziehungskraft ist nicht abzusehen.

Der Inhalt

Amerikaner nach Linderhof

US-Amerikaner auf dem Weg nach Linderhof 1952 – Dia aus (c) Privatbesitz Marcus Spangenberg

Beginnen wir zuerst mit dem Katalogteil der von Marcus Spangenberg unter dem Titel „Bis auf Weiteres“ – Die Öffnung der Schlösser Ludwigs II. von Bayern und deren tou-ristische Entwicklung bis hin zu Objekten der Werbung geschrieben wurde. Brillant und sehr informativ beschreibt Spangenberg die einzelnen Objekte. Es gibt viele Bilder, eine Menge Hintergrundinformation und, was schön ist, es werden immer wieder die entsprechenden Quellen genannt. Der Schreibstil des Autors ist so leicht und schwungvoll, dass ein jeder die einzelnen Beschreibungen gerne bis zum Ende liest. Man sollte beim Begehen der Ausstellung den Katalog unbedingt in seinen Händen halten um sofort die entsprechenden Informationen zu erhalten.

Ebenfalls von Spangenberg geschrieben ist der wohl wichtigste Aufsatz im Begleitbuch – Profanierte Heiligtümer? Ludwig II. und seine Schlösser. – Hier beschreibt der Autor auf sehr spannende und informative Weise die Ereignisse vom 12. Juni 1886 als Ludwig II. auf Neuschwanstein festgesetzt wurde, über seinen Tod im Starnberger See und den Beginn des Medienrummels um den König und seine Märchenschlösser bis zum heutigen Tag.

Der dritte Aufsatz von Marcus Spangenberg in diesem Buch ist betitelt mit – Schloss Neuschwanstein oder: Wie ein Symbol entsteht. – Wie entwickelte sich der Kult um die Königs-schlösser und da besonders des wohl berühmtesten Schlosses der Welt – Neuschwanstein. Sehr anschaulich und spannend wird hier der Beginn des Tourismus zu den Märchenschlössern und da besonders zu Neuschwanstein geschildert. Es wird sehr anschaulich geschildert, warum der Run auf die Schlösser sehr schnell begann und warum der Strom der Besucher bis heute immer neue Rekorde bricht. Spangenberg erläutert auch, warum aus Ludwigkitsch im Laufe der Zeit große Kunst wurde.

Der Beitrag von Alexander Wisneth – „Reisen“ in vergangene Zeiten und zu fernen Orten – Die Königsschlösser Ludwigs II. auf dem Weg zum UNESCO-Welterbe. – Hier wird ein Kommentar zu den derzeitigen Bestrebungen des Freistaates Bayern geboten, Linderhof, Neuschwanstein und Herrenchiemsee als UNESCO-Welterbe anzuerkennen. Dieser Kommen-tar ist nicht sehr leicht zu lesen, aber er verdeutlicht die Tatsache, dass die Schlösser Ludwigs II. unbedingt zum Weltkulturerbe gehören.

Der nächste Beitrag ist von Mylene Wienrank – Schloss Herrenchiemsee als Tourismusobjekt. – Auch hier wieder ein wunderbar lesbarer Aufsatz über die Entwicklung des Tourismus am Beispiel von Schloss Herrenchiemsee. Es ist wirklich erfreulich, dass auch dieser Beitrag so geschrieben ist, dass es Spaß macht ihn zu lesen.

Marianne Göldl befasst sich in ihrem Beitrag – König Ludwigs Schlösser in der Werbung: Sammelbilder und Reklamemarken um 1900. Dies ist ein ganz interessanter Aspekt, die Sammelbilder, die wir ja alle zu dem einen oder anderen Thema auch heute noch kennen, in den Mittelpunkt zu stellen. Die Industrie hat schon früh gemerkt, wie werbewirksam Ludwig II. und seine Schlösser sind.

Ein weiterer Beitrag kommt von Georg Haber und Maximilian Heimler – Das gebrochene Kreuz des Löwen oder „Das Kreuz mit dem Löwen“ – Hier geht es um den Verschleiß von Metallplastiken der Königsschlösser durch touristische Nutzung und deren Restaurierung.

Der letzte Beitrag von Eginhard König mit dem Titel – Neuschwanstein und sonst nix. Der Schlösserbau Ludwigs II. im Spiegel alter Volkslieder. – Das ist ein interessanter Aufsatz über ein Thema, das bisher in dieser Form noch nie veröffentlicht wurde. In der Hauptsache wird hier die Entstehung und Entwicklung des berühmten Neuschwansteinliedes und dessen vieler, den Anlässen geschuldeter Veränderungen.

Abschließend möchte ich noch die hervorragende Bilderauswahl erwähnen und jedem empfehlen die Ausstellung zu besuchen oder zumindest das Begleitbuch zu bestellen. Man bekommt ihn bestimmt im Buchhandel, aber auch bei der Staatsbibliothek Regensburg direkt.

© Erich Adami
Juli 2015

Internet-Links:

Marcus Spangenberg
Marcus Spangenberg: Traumschlösser?

Staatliche Bibliothek Regensburg

Dr. Morsbach Verlag

Weitere Besprechungen des Buches:

Süddeutsche Zeitung

Mittelbayerische Zeitung

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Gudden-Ausstellung – Ein Rückblick

By mifu - Last updated: Mittwoch, Juli 8, 2015

Dr. Bernhard von Gudden, der Gutachter König Ludwigs II.

Rückblick auf die die Ausstellungen in Benediktbeuern und Prien und Ausblick

„Eine Ausstellung über Dr. Bernhard von Gudden, die gehört verboten. Über diesen unverantwortlichen Gutachter ist doch längst alles gesagt. Er ist und bleibt eine Unperson für einen jeden, der König Ludwig II. verehrt!“ Solche polemischen Forderungen wurden bereits 2013 im Vorfeld der für 2014 geplanten Ausstellung „Dr. Bernhard von Gudden, der Gutachter König Ludwigs II.“ laut, plagte doch einige Ludwig II.-Verehrer die – allerdings unbegründete – Angst, schon allein dadurch, dass man diesem Psychiater Aufmerksamkeit schenkt und ihn zu verstehen sucht, sei eine Verunglimpfung des Königs beabsichtigt.

Um es deutlich zu sagen: Die Ausstellung über Dr. Gudden, die vom 15. Mai bis 17. Juli 2014 im Kloster Benediktbeuern gezeigt wurde, entpuppte sich keinesfalls als Ausstellung gegen Ludwig II., sondern als eine Schau, die versuchte der Person und dem Werk jenes Psychiaters gerecht zu werden, der 1886 über Ludwig II. ein psychiatrisches Gutachten anfertigte. Die Ausstellung hatte das gesamte 62 Jahre währende Leben dieses Arztes im Blick und nicht nur die Tage der sogenannten Königskatastrophe vom 8. bis zu 13. Juni 1886. Wer lediglich diesem kurzen Zeitraum Aufmerksamkeit schenkt, so jemand kann der Person Dr. Guddens keinesfalls gerecht werden.

Kurator A. Schweiggert -Dr. Norbert Göttler- Prof. Dr. Hanns Hippius

Kurator A. Schweiggert -Dr. Norbert Göttler- Prof. Dr. Hanns Hippius

Es ist schon seltsam, dass die Ausstellung die erste seit dem Tod des Psychiaters 1886 war, die sich an eine breite Öffentlichkeit wandte. Zwar waren bereits vorher in medizinischen Fachkreisen, bei Ausstellungen zur Geschichte der Psychiatrie sowie in psychiatrischen Symposien vereinzelt immer wieder Werk und Person Guddens thematisiert worden, auch in Doktorarbeiten und einigen Publikationen, doch vielfach gingen diese Vorhaben an der breiten Öffentlichkeit vorbei. Gerade ein breites Publikum aber war es, das mit dieser Ausstellung angesprochen werden sollte. Deshalb standen vorrangig auch nicht für den Laien oft schwer verständliche medizinische Exponate im Vordergrund, sondern Materialien, die bei einem breiten Personenkreis Interesse wecken wollten.

Dazu gehörte unter anderen ein Exponat, das eine kleine Sensation darstellte. Es handelte sich um die Totenmaske Dr. Guddens, von der selbst ausgewiesene Ludwig II.- Experten nicht wussten, dass sie überhaupt existiert. Die Geschichte ihrer Entdeckung im Städtischen Museum Rosenheim wurde hier erstmals dokumentiert. Die Totenmaske zeigt das Gesicht des Psychiaters mit allen seinerzeit von Augenzeugen beschriebenen Verletzungen und war somit ein bedeutendes Exponat. Sie war erstmals neben der Totenmaske des Königs zu sehen.

Was beabsichtigte diese erste Ausstellung über Dr. Gudden nun eigentlich?

Um es kurz zu sagen, sie wollte über die gesamte Person Dr. Guddens informieren, nicht nur über den Gutachter des Königs, sondern auch über einen wichtigen Psychiater der Vorfreudzeit, über einen gewissenhaften Forscher und Neuroantom, über den modernen Anstaltsleiter und respektierten Hochschullehrer und nicht zuletzt über den Menschen Gudden. Ja, sie wollte informieren, aber auch provozieren, vor allem jene, von denen bisher alle positiven Eigenschaften Guddens kategorisch ausgeblendet wurden und von denen er als unverantwortlicher Arzt diffamiert worden war. Das Ziel dieser Schau war es, zum Überdenken der vielfach vorgefassten Meinungen anzuregen, auch zum Diskutieren über all jene, im Sinne des Wortes „frag-würdigen“ Anschuldigungen, die man gegen diesen Psychiater seit seinem Tod vorgebracht hatte und die man bis heute noch immer vorbringt.

Aber war das wirklich die einzige Absicht?

Gudden-Ausstellung -Interview BR

Gudden-Ausstellung -Interview BR

Bei den Vorarbeiten zu dieser Ausstellung wurde ich mehrfach gefragt, warum mich denn ausgerechnet ein Psychiater interessiert, der doch schon vor immerhin 128 Jahren gestorben war. Sei der Grund also nur der, dass dieser Mann in enger Beziehung zu dem weltweit bekannten König Ludwig II. und dessen rätselhaftem Tod stünde? Sei darüber aber nicht schon alles Wesentliche gesagt und aufgeschrieben worden?

Wer glaubt, die Persönlichkeit Dr. Guddens sei nur im Hinblick auf die Person König Ludwigs II. von Interesse, der übersieht, dass dieser Psychiater zu einer Zeit lebte, in der sich die Psychiatrie erst ganz langsam zu einem ernst zu nehmenden medizinischen Wissenschaftsbereich zu entwickeln begann. Und Dr. von Gudden war als Neurologe einer der Protagonisten dieser Entwicklung. Seine Forschungsergebnisse werden noch heute wahrgenommen. Und wenn im Hinblick auf sein psychiatrisches Gutachten über Ludwig II. immer auch das Verhältnis von Psychiatrie und politischer Macht diskutiert wird, so ist dieser Aspekt ein bis heute aktuelles Thema geblieben, das die Medien beschäftigt.

Warf man Dr. Gudden als einem Vertreter der beginnenden Wissenschaft der Psychiatrie vor, durch sein Urteil einer politisch unliebsamen Person, nämlich Ludwig II., den Stempel der Verrücktheit aufgedrückt zu haben, so wurden im Lauf der vergangenen 128 Jahre ähnliche Vorwürfe auch in anderen Zusammenhängen immer wieder laut. Die Psychiatrie wurde also nicht nur bis zum Ende des 19. Jahrhunderts mehrfach als politisches Mittel eingesetzt und missbraucht, sondern ebenso danach und wie jüngste Vorwürfe zeigen auch in unserer Zeit und dies nicht nur in uns fernen Regierungssystemen, sondern auch im eigenen Land.

Nicht nur zur Zeit Guddens also, im Lauf ihrer Geschichte stand die Psychiatrie immer wieder auf dem Prüfstand und im Fokus öffentlicher Beurteilung. So verwundert es nicht, dass sich nach dem zweiten Weltkrieg als Gegenbewegung zur Psychiatrie etwa die sogenannte „Antipsychiatrie“ etablierte, deren Kritik sich nicht nur gegen Zwangsmaßnahmen richtet, sondern bis zur vollkommenen Ablehnung von psychiatrischen Diagnosen und Behandlungsmethoden reicht, ja, sich sogar gegen die Anwendung von Neuroleptika mit ihren umstrittenen Nebenwirkungen ausspricht. Fehlerhafte psychiatrisch-forensische Gutachten und falsche Behandlung von Patienten mit Psychopharmaka machen in schöner Regelmäßigkeit Schlagzeilen. Ebenso werden Forderungen nach Korrekturen von Regeln im Umgang mit psychisch kranken Menschen in der breiten Öffentlichkeit lebhaft diskutiert. Immer wieder brechen auch Ängste auf, wenn bekannt wird, dass wieder einmal eine Person aufgrund fehlerhafter Gutachten unrechtmäßig in die Psychiatrie eingewiesen wurde. Bis heute fordern Kritiker mehr Schutz für betroffene Patienten und eine Verbesserung der Qualität psychiatrischer Versorgung und Behandlung von psychisch Kranken, ein Anliegen, das Dr. von Gudden bereits 1855 in seiner Wernecker Anstalt mit den damals noch erheblich eingeschränkten Möglichkeiten erstmals zu realisieren versuchte.

Es ging in dieser Ausstellung also nicht allein um das Schicksal Dr. Guddens und um sein Verhalten, als die Psychiatrie noch in den Kinderschuhen steckte. Vielmehr stand ein höchst brisantes, und nach wie vor brandaktuelles Thema im Mittelpunkt, das seit Jahrzehnten die Öffentlichkeit beschäftigt, aber gerade auch in den letzten Jahren mehrfach im Fokus des öffentlichen Interesses stand und noch immer steht. Es ging in dieser Ausstellung um die Psychiatrie, um die Entwicklung dieses besonderen und immer wieder auch umstrittenen medizinischen Fachbereichs und um die Einstellung der heutigen Gesellschaft dazu.

Absicht der Schau war es deshalb, dass der in ihr gebotene Einblick in ein kleines Teilstück der Geschichte der Psychiatrie auch Interesse für die Psychiatrie von heute bewirkte, die immer wieder in der Kritik steht, ohne dass berücksichtigt wird, dass sich dieser medizinische Fachbereich mit zwei der am schwierigsten zu erforschenden Kontinente befasst, dem höchst komplizierten Gehirn des Menschen und seiner nicht weniger rätselhaften Psyche.

Gudden Ausstellung - Dr. Norbert Göttler - Kurator A. schweiggert - Walter Leicht. Rosenheim

Gudden Ausstellung – Dr. Norbert Göttler – Kurator A. schweiggert – Walter Leicht. Rosenheim

Als wissenschaftliche Berater standen mir als dem Koordinator der Ausstellung neben Historikern auch etliche Psychiater zur Verfügung, darunter der Ururenkel Guddens, Dr. Wolfgang Gudden, sowie Prof. Hans Förstl, der für den Katalog einen eigenen Beitrag verfasste, ebenso Prof. Adrian Danek, Prof. Reinhard Steinberg und Prof. Gerd Laux, die mit interessanten Vorträgen die Ausstellung begleiteten. Große Zustimmung erfuhr die Schau auch von Prof. Hanns Hippius und Prof. Heinz Häfner. Die sehenswerte Filmdokumentation „Dr. Bernhard von Gudden, Pionier der Hirnforschung und Nervenarzt König Ludwigs II.“ des Regisseurs Michael Harles durfte während des gesamten Ausstellungszeitraums gezeigt werden. Positiv reagierte die Kritik auf den zur Ausstellung erschienenen Buchkatalog „Der Mann, der mit Ludwig II. starb. Dr. Bernhard von Gudden, der Gutachter des bayerischen Königs“ (Husum Verlag), der alle Facetten dieses Arztes auffächert sowie sämtliche gegen ihn erhobenen Vorwürfe thematisiert und auf ihre Stichhaltigkeit überprüft. Des Weiteren informierte als Ergänzung zum Buchkatalog der im München-Verlag erschienene Band „Die letzten Tage im Leben König Ludwigs II.“ (Erich Adami/ Alfons Schweiggert) minutiös über sämtliche Ereignisse der letzten Tage des Königs.

Infolge des großen Anklangs, den die Ausstellung 2014 in Benediktbeuern fand, wurde sie ein Jahr später im Heimatmuseum Prien vom 16. April bis zum 14. Juni 2015 wiederholt. Die Besucherzahl für beide Ausstellungen belief sich auf viereinhalb bis fünftausend Besucher. Dies berechtigt zur Hoffnung, dass die Ausstellung und damit Leben und Wirken Dr. Bernhard v. Guddens auch künftig nicht in Vergessenheit geraten. Der Historiker Prof. Hermann Rumschöttel, den die Ausstellung sehr beeindruckte – „Sie verdient wirklich größte Aufmerksamkeit!“ – regte an „über eine Präsentation in München nachzudenken. Ich glaube“, so seine Ansicht, „dass man dadurch die Besucherzahl deutlich erhöhen könnte – zumal die Münchner Presse – wenn ich das richtig verfolgt habe – über die Ausstellung sehr positiv geurteilt hat.“

Gudden Vortrag Seidlvilla München - Schweiggert

Gudden Vortrag Seidlvilla München – Schweiggert

Vielleicht könnte die angeregte Wiederholung der Ausstellung in München spätestens im Sommer 2024 zum 200. Geburtstag Dr. Guddens stattfinden. Zunächst aber wird die Präsentation aller Ausstellungstafeln Ende 2016 im Psychiatriemuseum Wasserburg am Inn als Dauerausstellung erfolgen. Dieses Museum gehört zum kbo-Inn-Salzach-Klinikum (Gabersee 7, 83512 Wasserburg am Inn). Die dort präsentierten medizinhistorischen Exponate thematisieren den Weg von der „Kreisirrenanstalt Gabersee“ zum Klinikum in Wasserburg. Und dazu gehört maßgeblich auch die Person Dr. Guddens. Ansprechpartner für die Übernahme der Ausstellung durch andere Interessenten ist künftig also das Psychiatriemuseum Wasserburg. Weitere denkbare Ausstellungsorte, die bereits Interesse äußerten, sind: die Stadt Kleve, Geburtsort Dr. Guddens/ die Psychiatrische Klinik Schloss Werneck; diese Anstalt hat Gudden aufgebaut/ die Stadt München; hier war Dr. Gudden 1872 bis 1886 ordentl. Professor für Psychiatrie / die Münchner Klinik an der Nussbaumstr., deren Vorgänger-Einrichtung Dr. Gudden leitete.

Nach dem Besuch einer Ausstellung über den bis heute umstrittenen Künstler Joseph Beuys schrieb ein Besucher ins ausgelegte Gästebuch: „Ich gehe nach Hause und weiß, dass ich von vorne anfangen muss, wenn ich diesen Mann verstehen will.“ Wenn ein solcher Gedanke – nämlich mit der Beurteilung Dr. von Guddens neu anfangen zu müssen – auch dem einen oder anderen nach dem Besuch der Ausstellung in Benediktbeuern und Prien durch den Kopf gegangen ist und künftig auch im Psychiatriemuseum Wasserburg beschäftigen wird, dann hätte sich die umfangreiche Arbeit an dieser Ausstellung gelohnt und ihren Zweck erfüllt.

Juli 2015
Alfons Schweiggert

Weiterführende Artikel zum Thema:

Ausstellung in Benediktbeuern: Dr. Bernhard von Gudden – Der Mann, der mit Ludwig II. starb

Bericht über die Ausstellung „Dr. Bernhard von Gudden, der Gutachter König Ludwigs II.“

Buchbesprechung:

Der Mann, der mit Ludwig II. starb

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Königshaus am Schachen

By admin - Last updated: Mittwoch, Juli 1, 2015

2012-07-30 13.47.05-1Das Königshaus am Schachen ist kein Jagdhaus – König Ludwig II. von Bayern verabscheute die Jagd – und es ist auch kein Schloss, eher eine bürgerliche Villa. Dennoch hat es von beidem etwas. Durch seine wunderbare Lage in den Bergen ist es recht schwer erreichbar und belohnt gleichzeitig mit einem herrlichen Ausblick in die Landschaft und fantastischen Einblicken. Der Schachen liegt in der Nähe von Garmisch-Partenkirchen, das Königshaus gehört zur Verwaltung von Schloss Linderhof.

Wer Antworten zum Königshaus in der Literatur sucht, der wird in zahlreichen Reisebegleitern und „Führern“ fündig. Meist ist das Königshaus im Zusammenhang mit Schloss Linderhof zu finden. Nun hat die Bayerische Schlösserverwaltung in diesem Jahr einen neuen „Amtlichen Führer“, bearbeitet von Dr. Uwe Gerd Schatz, herausgegeben, das wir hier vorstellen möchten.

Stil und Heimat

Oft wird der Stil des braunen Hauses unter der Wetterwand für bayerisch oder schweizerisch gehalten. Dabei ist das Haus ganz klar im Äußeren an der Kunstrichtung des Bosporus orientiert. Der Orient in den Alpen. Die Ornamente in der Fassung und die Giebelstirnseite „haben nichts mit heimischer Bautradition zu tun. Sie sind Vorbildern aus der osmanischen Holzarchitektur entnommen“ (Seite 14). So verwundert es schon etwas, wenn der für die Schlösser zuständige bayerische Staatsminister, Dr. Markus Söder, im Begleittext von einem „Sinnbild unserer Heimat“ und der „Schönheit und Geschichte Bayerns“ schreibt. Wir widmen uns lieber dem Inhalt des „Führers“ und dem Königshaus selbst.

Das Jagdhaus

Schon im Herbst 1869 hat der 24 Jahre alte König Ludwig II. seine Bauabsichten geäußert und einen Reitweg anlegen lassen. Offiziell hieß es lange Zeit Jagdhaus, aber es fanden dort natürlich keine Jagden statt. Überhaupt fanden zu seiner Regierungszeit keine Hofjagden statt. Sie wurden erst unter Prinzregent Luitpold wieder eingeführt, der mit seinen Gesellen später auch auf dem Schachen hauste (Wolfgang S. Madl: „Die Allerhöchste Jagd in Oberammergau unter König und Prinzregent“, Winzer 2005).

Mit dem Bau wurde der 39jährige Architekt Georg von Dollmann beauftragt. Das Haus wurde zunächst mit einem modernen Grundriss in traditioneller Holzbauweise im Stil großbürgerlicher Villen gebaut und war schon im Herbst 1870 fertig gestellt. Man kann den ursprünglichen Bau noch im Erdgeschoss des heutigen Gebäudes erkennen: ein erdgeschossiger Ständerbau mit Satteldach und niedrigem Obergeschoss.

Ganz typisch für Ludwig war, dass er schon bald Änderungen vornehmen ließ. Wichtig war ihm, dass das „Türkische Zimmer“ im Obergeschoss „gegenwärtig keinem solchen ähnlich sähe“. So wurde quasi quer über dem Erdgeschoss ein Saal errichtet, der auf einer Balkensubkonstruktion errichtet war. Ludwig hatte sich Fotografien von den Häusern der griechischen Priester auf den Prinzeninseln vor Istanbul und dem Palast Selims III. besorgen lassen und war auch sonst in der zeitgenössischen Literatur, in Reiseberichten und Bildern fündig geworden.

Der Umbau wurde bis August 1872 fertig gestellt und in dem Zustand sieht man das Haus noch heute. So hat Ludwig das Haus jedes Jahr besucht, „mindestens e20040924_Schachen_217inmal im Jahr zur Zeit seines Geburtstages am 25. August, meistens noch ein zweites Mal im September, manchmal sogar noch im Oktober“.

In dem Büchlein sieht man die Grundrisse und Aufrisse auf den Seiten 10 bis 13 sehr schön gegenübergestellt. Allein die beiden Seitenbalkone über den freien Dächern des ehemaligen Hauses existieren heute nicht mehr; ein Foto von 1886 findet sich aber auf Seite 14.

Engagiert wurden für den Bau und die Einrichtung ausschließlich einheimische Firmen und Künstler; so zum Beispiel Maurer, Zimmermänner und Schreiner, Maler und Anstreicher, Schlosser, Glaser, Bildhauer und Vergolder – damit ist dann doch wieder etwas „Heimat“ eingebunden.

Ein Rundgang

… durch das Erdgeschoss: Die Wohnräume

Ab Seite 25 beginnt dann der eigentliche Rundgang, zunächst durch die Wohnräume im Erdgeschoss. Hier sind alle Räume mit Zirbelholz vertäfelt. Die Wandvertäfelungen, Öfen und Möbel sind sämtlich sehr einfach gehalten, entsprechen dem beabsichtigten bürgerlichen Einrichtungsstil. Es sind heute leider nicht mehr viele persönliche Gegenstände Ludwigs vorzufinden.

Die vier Supraporten-Gemälde im Salon (Wohnzimmer) gehören aber noch dazu. Die auf den Seiten 26 und 27 abgebildeten Gemälde sind insofern sehr spannend, als dass sie helfen, den Menschen Ludwig besser zu verstehen.

Zwei Bilder zeigen Landschaften (Indien und Kaschmir), die das eigentlich gewünschte Umfeld darstellten. Er ließ sich damals auch zusammensetzbare Ausschnitte von verschiedenen Bühnenhintergründen anfertigen, um diese mit auf den Schachen nehmen zu können. Diese beiden verbliebenen Bilder sind Verkleinerungen der Bilder, die im Ostteil des inzwischen abgerissenen Wintergartens auf der Münchener Residenz abwechselnd verwendet wurden.

Ebenfalls nicht mehr vorhanden ist der auf dem dritten Bild dargestellte „Linderhof“, der ja mehrfach umgebaut wurde. Das vierte Bild zeigt einen Blick auf Schloss Hohenschwangau, von der unbebauten Stelle aus, an der heute Schloss Neuschwanstein steht. Diese vier Bilder haben also große Bedeutung für Ludwig gehabt.

Auch das Arbeitszimmer und das Schlafzimmer sind sehr schlicht in weiß und blau gehalten, von den Vorhängen, der Bettwäsche, bis hin zum Waschgeschirr. Im Schlafzimmer ist das einzige farbige Fenster im Erdgeschoss zu finden. Im so genannten Fremdenzimmer finden sich noch Bilder aus dem „Ring des Nibelungen“.

… zum Obergeschoss: Der Türkische Saal

Ins Obergeschoss führt eine wirklich sehr enge hölzerne Wendeltreppe. Man schlüpft förmlich in den Vorraum zu einer anderen Welt.

Dieser Vorraum ist durch riesige Vorhänge von dem eigentlichen Saal getrennt; ähnlich einem Bühnen-Vorhang im Theater gibt er das eigentliche Bild frei.

Der ganze Saal erschlägt den Beschauer mit den Farben Gold, Blau und Rot: in der Einrichtung, von den Wänden und durch die farbigen Fenster. Der Saal schafft einen fantastischen, im wahrsten Sinne entzückenden Eindruck, der durch die Ausstattung verstärkt wird. Der Raum ist in der mit weichen Sitzbänken umgebenen Mitte mit Kandelabern, Fächern aus Pfauen- und Straußenfedern, Weihrauchsäulen und einem Brunnen ausgestattet.

Auch wenn dieser heute wie tot wirkt, sollte einem bewusst werden, wie es erst gewirkt haben muss, wenn alles in Betrieb ist: die Kerzen leuchten, der Weihrauch und die orientalischen Düfte erfüllen den Raum. Dazu kommen der Duft von Mokka und Tee sowie das Plätschern des frischen Wassers aus der Raummitte. Die Lakaien waren in orientalische Kostüme gehüllt. Vorbild ist der entsprechende Raum im Palast von Eyüp/Istanbul.

Exkurse

Zwei Abstecher ergänzen die Kapitel. Auf den Seiten 16 bis 19 wird, farblich unterscheidbar, Ludwig Thoma aus seinen „Erinnerungen“ von 1919 zitiert, dessen Vater seit 1865 Oberförster in der Vorderriß war. Den Schilderungen ähnlich dürfte die Ausfahrt zum Schachen abgelaufen sein. Abgebildet ist neben Ludwig ein Bergwagen, wie der des Prinzregenten Luitpold von Bayern.

Der zweite Exkurs sind „Schilderungen Felix Dahns zu dessen Besuch bei König Ludwig II. im Königshaus auf dem Schachen im August 1873“ (Seiten 38-41). Allerdings enthalten diese Schilderungen nur einen Satz, der sich mit dem Schachen selbst beschäftigt. Überhaupt ist der Würzburger Professor für Rechtswissenschaften ein eher schlecht gewählter Zeuge. Hier hätte man andere Augenzeugen, wie zum Beispiel Luise von Kobell heranziehen können. Sie ergänzt ihre Schilderungen – neben den „duftenden Räucherpfannen“ – noch um die als Moslems verkleidete Dienerschaft und den Tabak. Gerade das macht ja die von Ludwig gewünschte mehrdimensionale virtuelle Realität aus.

„König Ludwig II. und die östliche Welt“

Kunstzeitschrift 1981

Kunstzeitschrift du, 1981

Das abschließende Kapitel versucht, die „Einflüsse und Vorbilder“ zu schildern, die Ludwig beeinflusst haben. So waren die Ursprünge durchaus in der Mode des 19. Jahrhunderts und damit ein Teil des Eklektizismus, also die dem Historismus typische Vermischung verschiedener Stile. Ludwig II. reiste bekanntermaßen selten, vor allem nicht in den Orient. Seine Kenntnisse erwarb er sich durch historische Literatur, Kataloge, Berichte über zeitgenössische Bauten, Ausstellungen und Opern- und Theateraufführungen, die sich mit dem Thema beschäftigten. Hier wird ganz deutlich – und man kann es eigentlich nicht oft genug erwähnen –, dass Ludwig „keine Ausnahme“ unter seinen Zeitgenossen (die es sich leisten konnten) war: „er war nur konsequenter und unbedingter“ (Seite 47).

Weitere seiner orientalischen 3D-Szenerien waren:

Amtlicher Führer 1994/98

Amtlicher Führer 1994/98

Im gleichen Stil geplant waren:

Die Schlussfolgerung, „diese monumentalen östlichen Bauprojekte (seien) weitere Beschwörungen eines absoluten Herrschertums“ können jedoch nur einen Teil des Gesamtanspruchs gewesen sein – ging es Ludwig doch viel mehr um das Eintauchen in die Kultur, in die Szenerie Richard Löwenherz‘, Kundrys und des Grals.

Den Abschluss des Büchleins bilden eine Chronik und eine Literaturauswahl.

Schachen 2015

Amtlicher Führer 2015

Zusammenfassung

Das Büchlein bietet auf 64 Seiten zahlreiche Bilder. Die Texte ähneln doch weitgehend der vorherigen Ausgabe des Begleitheftes, das ebenfalls als „amtlicher Führer“ von Gerhard Hojer und Elmar D. Schmid 1994/98 erschienen sind, das außer den zahlreichen Abbildungen zwei sehr schöne ausklappbare großformatige Bilder enthält.

Empfehlungen

So sollte man sich – neben dem aktuellen „Führer“ – unbedingt auch noch „Das Schachenschloss“ hinzuziehen. Das Büchlein, das laut passendem Untertitel „eine phantastische Verbindung von Kunst und Natur“ vorstellt, zeigt herrliche Bilder von der Natur, den Bergen und der Umgebung. Neben den ausführlichen Texten zu den Räumen und der Ausstattung findet sich hier auch der oben erwähnte Text von Luise Kobell. Den Abschluss bildet eine sehr schöne dreiteilige Karte mit verschiedenen Wanderwegen zum Königshaus.

Dem Thema „Der Orient König Ludwigs II. von Bayern“ ist eine Ausgabe der Kunstzeitschrift „du“ von Dezember 1981 gewidmet, die Unmengen von Hintergrundinformationen bietet.

Bezugsmöglichkeiten

Linderbichl: Schachenschloss 2007

Linderbichl: Schachenschloss 2007

Der „amtliche Führer“ ist über die Schlösserverwaltung in deutscher (ISBN 978-3-941637-35-1) und englischer (ISBN 978-3-941637-36-8) Sprache im Buchhandel sowie in den Museumsläden und in der Online-Buchhandlung der Bayerischen Schlösserverwaltung www.bsv-shop.bayern.de erhältlich. Der Verkaufspreis beträgt 4,50 EUR (zzgl. Porto und Verpackung). Ein Flyer bietet eine Übersicht mit Informationen, Öffnungszeiten, Verkehrsanbindungen und Gastronomie; er kann hier heruntergeladen werden.

„Das Schachenschloss“ ist nur im Direktvertrieb im Linderbichl Verlag, Oberammergau (C.Mise@t-online.de) für 6,45 EUR erhältlich.

Internet

Weitere Informationen sind im Antiquariat und im Internet zu finden:

www.schachenhaus.de

www.schloesser.bayern.de

www.linderhof.de

www.garmisch-partenkirchen-info.de

(c) Michael Fuchs
Berlin, Juli 2015

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25. August 2014 – 169. Geburtstag König Ludwig II.

By mifu - Last updated: Sonntag, August 24, 2014

Am Montag jährt sich der Geburtstag des bayerischen Königs Ludwig II. (1845-1864-1886) zum 169. Mal.

Auch in diesem Jahr Anlass für allerlei Festlichkeiten, die es Wert sind, besucht zu werden.

Als Höhepunkt kann man Schloss Linderhof, das Schloss, in dem sich Ludwig am häufigsten aufhielt, bezeichnen. Wie jedes Jahr gibt es wieder die „König-Ludwig-Nacht“:

Das ausführliche Programm ist in diesem Flyer zusammengefasst.

Im Festspielhaus Füssen findet am 06.09. eine „Königsgala“ mit ehemaligen Darstellern des Ludwig-Musicals statt.

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Mit deutscher Geschichte durch das Jahr 2015

By mifu - Last updated: Sonntag, Juni 22, 2014

Eigentlich ist es ja noch etwas zu früh, um sich jetzt schon um einen Kalender für das Jahr 2015 zu kümmern. Die Verlage stellen aber schon jetzt wieder ihr umfangreiches Angebot vor. Aus der Vielzahl von Kalendern, allen voran natürlich die üblichen Bildkalender mit den Schlössern König Ludwig II. von Bayern, möchten wir hier einen etwas (inhaltlich) gewichtigeren Kalender vorstellen.

Der Südwest-Verlag aus der Verlagsgruppe Random House Bertelsmann bietet schon mehrere Jahre seine Reihe „Mit deutscher Geschichte durch das Jahr 2015“ als Textabreißkalender an:

Dieser Kalender präsentiert die wichtigsten Eckpfeiler deutscher Geschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Er enthält jeden Tag ein interessantes und manchmal auch bewegendes Ereignis aus der deutschen Geschichte. Ob Friedrich der Große, der erste Weltkrieg oder der Mauerfall, zu jedem Ereignis erfährt man die wichtigsten Grundlagen, Fakten und Daten.

Südwest-Verlag

Mit deutscher Geschichte durch das Jahr 2015 Textabreißkalender

Mit deutscher Geschichte durch das Jahr 2015 Textabreißkalender

Im Jahr 2015 ist König Ludwig II. von Bayern in Generalsuniform, einem Portrait von Ferdinand Piloty d. J. aus dem Jahre 1865, auf dem Titelbild abgebildet. Es ist ein wenig irreführend, dass Ludwig als einziges Bild den Kalender ziert; man könnte meinen, es handele sich um (zumindest vorwiegend) Daten aus dem Leben Ludwig II. – eine Idee, die man vielleicht mal aufgreifen könnte.

Jedenfalls spielt Ludwig keine hervorgehobene Rolle in dem ansonsten mit sehr schönen von der Redaktion ausgewählten Daten aus der deutschen Geschichte, die dem interessierten Leser täglich ein interessantes Ereignis vorstellt. Dabei sind die vorgestellten Ereignisse nicht immer nach „runden“ Jahrestagen ausgewählt. Es finden sich darunter viele Ereignisse, die selbst Geschichtsinteressierten nicht immer so präsent sind – sie laden ein, weiterzulesen und das Ereignis bewusster wahrzunehmen.

Herausgehobene Termine, die sich mit König Ludwig II., seinen Interessen, seinem Umfeld, beschäftigen sind zum Beispiel:

05. Januar Maximilian I. Joseph wird bayerischer König (1806)
30. Januar Reptilienfonds – Bismarcks „schwarze Kassen“ (1869) – Bismarck hatte Vermögen aus den ehemaligen Fürstenhäusern Hannover und Hessen beschlagnahmt und davon unter anderem Ludwigs Zustimmung zur Gründung des Deutschen Reiches unter Vorherrschaft Preußens erkauft.
01. Februar Einheitliche Briefmarken in Deutschland (1902)
13. Februar Richard Wagner stirbt (1883)
10. März Beginn der Regentschaft des „Märchenkönigs“ (1864)
26. März Festungshaft wegen Friedensvorschlags (1872) – August Bebel und Wilhelm Liebknecht werden wegen Hochverrats verurteilt. Die beiden Politiker machten einen Friedensvorschlag – konträr zu den offiziellen Jubelfeiern jener Zeit.
08. April Bündnis Preußens und Italiens gegen Österreich (1866) – Vorbote des zweiten deutschen Einigungskrieges und den ersten furchtbaren Krieg, den Ludwig aus dem Bündnis mit Österreich führen musste. Preußen besiegte Österreich (und seine Verbündeten) am 03. Juli bei Königgrätz.
27. April Beginn der deutschen Kolonialpolitik (1880) – In den folgenden Jahren hat das Deutsche Reich einige Kolonien „begründet“. Dieser Aspekt ist hinsichtlich Ludwigs Idee, sein Königreich zu „tauschen“ interessant.
02. Juni Wilhelm I. wird verwundet (1878) – Im offenen Wagen wird der preußische König und deutsche Kaiser bei einem Attentat verletzt. Ludwig hatte Zeit seines Lebens große Angst vor Nachahmungstätern.
13. Juli Die Emser Depesche (1870) – Auslöser des dritten Einigungskriegs, in den Ludwig wegen des Bündnisses mit Preußen eintreten musste.
27. Juli Wagners „Parsifal“ uraufgeführt (1882) – Die letzte Oper Richard Wagners wird in Bayreuth erstmals aufgeführt. Für Ludwig ein wichtiges Ereignis, für das er Chor und Orchester der Münchner Hofoper zur Verfügung stellte. Wagner hatte noch viele Opern geplant, starb aber schon 1883.
28. August Uraufführung des „Lohengrin“ (1850) – Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass diese Oper für Ludwig eine große Bedeutung hatte, nahm er doch in vielen Projekten (z. B. Neuschwanstein) Bezug auf die Oper.
01. September Reform des § 175 (1969) – Sexuelle Handlungen unter Männern über 21 Jahre wurden in der Bundesrepublik Deutschland nicht mehr gesetzlich geahndet. Erst mit der Gründung des Deutschen Reiches galt der Paragraph auch in Bayern (bis dahin war die gleichgeschlechtliche Liebe nicht strafbewährt). Für Ludwig eine weitere Belastung (neben der katholischen Moralvorstellung), unter der er litt, da er sich ja als Staatsoberhaupt natürlich auch an die Gesetze gebunden fühlte. Erst 1994 wurde der Straftatbestand vollkommen aufgehoben. 140.000 Männer waren wegen ihrer gleichgeschlechtlichen Neigung verurteilt worden.
06. September Dreikaisertreffen in Berlin (1872) – Das Deutsche Reich, Österreich und Russland schließen ein Abkommen zur Sicherung des Friedens. 1914 war davon keine Rede mehr und im (neuen) Bündnis mit Österreich entfesselte das Deutsche Reich einen entsetzlichen Krieg gegen Frankreich und Russland, den Ludwig zum Glück nicht mehr miterleben musste.

(c) Michael Fuchs, Berlin, Juni 2014

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Königshaus am Schachen ab sofort geöffnet

By mifu - Last updated: Samstag, Mai 31, 2014
Königshaus am Schachen; Foto: Michael Fuchs.

Königshaus am Schachen; Foto: Michael Fuchs.

Das Königshaus am Schachen im Wettersteingebirge bei Garmisch-Partenkirchen war ein regelmässiger Aufenthaltsort König Ludwig II. von Bayern: fast jedes Jahr um den 25. August, seinem Geburts- und Namenstag, besucht Ludwig die „Hütte“ im Stil eines Schweizerhauses.

Der Aufstieg ist nicht gerade leicht, aber die Wanderung wird mit einem herrlichen Ausblick über die Berge belohnt. Nicht zuletzt zeigt die Wohnung Ludwigs im Erdgeschoss seine Bodenständigkeit, die natürlich im Obergeschoss mit dem „türkischen Saal“ gekrönt wird.

Die Bayerische Schlösserverwaltung teilt mit:

Nach einem milden Winter beginnt auf über 1800 Metern in diesem Jahr die Sommersaison bereits im Mai: Wie auch viele andere Berghütten in hochalpiner Lage hat das Königshaus am Schachen am Donnerstag, 29.5.14, seine Türen geöffnet. Die ersten Gäste können ab sofort in der Berggaststätte übernachten.

Wer den Spuren König Ludwigs II. auf den Schachen folgt, wird mit einem einmaligen Erlebnis belohnt. Täglich finden um 11 Uhr, 13 Uhr, 14 Uhr und um 15 Uhr Führungen statt. Der Eintritt kostet 4,50 Euro (ermäßigt 3,50 Euro). Auch auf einen Abstecher zum Aussichtspunkt in der Nähe des Königshauses sollte man nicht verzichten. Hier blickt man insbesondere bei klarem Wetter auf das großartige Alpenpanorama mit Zug- und Alpspitze über dem Reintal.

Der auf 1866 Metern im Wettersteingebirge gelegene Zufluchtsort König Ludwigs II. ist nur zu Fuß erreichbar. Die Gehzeit beträgt je nach gewähltem Weg drei bis vier Stunden. Eine Mountainbike-Route startet von Klais bei Garmisch-Partenkirchen aus und führt Richtung Wettersteinalm zum Königsweg.

Königliches Flair im Wettersteingebirge

Das von 1869 bis 1872 nach Plänen von Georg Dollmann auf der Schachenalpe südlich von Garmisch-Partenkirchen erbaute Königshaus diente König Ludwig II. als Refugium bei seinen Aufenthalten im Gebirge. Das Holzhaus ist als Ständerbau im Schweizer Chaletstil errichtet. Im Obergeschoss befindet sich ein orientalischer Prunkraum, der so genannte Türkische Saal, den der König mit farbigen Glasfenstern, Pfauenfedern, Springbrunnen und opulent bestickten Textilien schmücken ließ.

Der vom Botanischen Garten München betreute Alpengarten am Schachen öffnet Mitte Juni seine Pforten.

Informationen über mögliche Aufstiegsrouten und die Berggaststätte sowie einen Blick auf die Speisekarte finden Sie unter www.schachenhaus.de.

Informationen zum Königshaus mit den aktuellen Öffnungs- und Führungszeiten sind hier abrufbar: Königshaus am Schachen.
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Bericht über die Ausstellung „Dr. Bernhard von Gudden, der Gutachter König Ludwigs II.“

By admin - Last updated: Donnerstag, Mai 29, 2014

Königsmörder oder Opfer?

Ausstellung im Maierhof des Klosters Benediktbeuern zeigt Bernhard von Gudden den Psychiater, der Ludwig II. für geisteskrank erklärte.

Abgüsse

Ein Blick in die Ausstellung: Abgüsse der rechten Hand des Königs, dessen Totenmaske und jene von Dr. Gudden

Benediktbeuern: Am 13. Juni 1886 starben König Ludwig II. und Bernhard von Gudden im Starnberger See. Der Psychiater hatte den Monarchen zuvor in einem Gutachten für geisteskrank erklärt. Bis heute ist ungeklärt, was damals geschah. König Ludwig II. wurde kurz darauf zur Kultperson, Gudden dagegen verunglimpft. Die Vorwürfe reichen bis zur Unterstellung, er sei der Mörder des Königs. Mehr weiß die breite Öffentlichkeit über den Psychiater Dr. Bernhard von Gudden bis heute nicht.

Zum ersten Mal überhaupt ist nun die ganze Lebensgeschichte Bernhard von Guddens wissenschaftlich aufgearbeitet worden. Eine umfangreiche Ausstellung im Heimatinformationszentrum des Bezirks Oberbayern im Kloster Benediktbeuern zeigt Guddens epochale Leistung im Bereich der Hirnforschung und deren Bedeutung bis heute.

Alfons Schweiggert, Historiker und Buchautor, sieht Gudden als Teil einer großen Entmündigungsmaschinerie, die König Ludwig II. seinerzeit entmachten wollte.

Zur Vernissage, am Donnerstag den 15. Mai 2014, waren um die 100 Leute gekommen. Nicht nur Historiker waren gekommen sondern auch Mediziner (Psychiater), noch aktive und auch bereits pensionierte.

Grußworte

Grußworte wurden gesprochen von Josef Mederer (am Pult), Walter Leicht (2. von rechts), Prof. Dr. Hans Förstl (ganz rechts), Dr. Norbert Göttler (ganz links) und Dr. Wolfgang Gudden (nicht auf dem Bild).

Grußworte wurden gesprochen von Josef Mederer, Bezirkstagspräsident des Bezirks Oberbayern; Walter Leicht, Direktor des Städtischen Museums Rosenheim; Prof. Dr. Hans Förstl, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der TU München, Klinikum rechts der Isar, Dr. Norbert Göttler, Fachberatung Heimatpflege, und Dr. Wolfgang Gudden, der Ururenkel Bernhard von Guddens.

Die Eröffnungsrede hielt Alfons Schweiggert, aus dessen Rede ich das Zitat „Psychiatrie, Politik, Polizei – diese Vernetzung ist auch heute noch aktuell“ in Erinnerung behalten habe. Es ist sicherlich eine Anspielung auf den aktuellen fall Mollath.

Dr. Leicht erzählte die spannende Geschichte wie die Ausstellung, nach dem sensationellen Fund der Totenmaske Guddens, zustande gekommen ist.

Alfons Schweiggert

Alfons Schweiggert, Kurator der Ausstellung

Professor Dr. Hans Förstl ist der Meinung: „Gudden hätte den König sehr gut therapieren können.“ Ludwig wäre ein guter Patient gewesen. Hätten die beiden Männer nicht den abendlichen Spaziergang am Starnberger See unternommen, wäre Guddens Karriere nicht zu Ende gewesen. Diesen müsse man dahin gehend bewerten, dass es dem Psychiater darum gegangen sei, ein gutes Arzt-Patienten-Verhältnis aufzubauen – zur damaligen Zeit etwas ganz Neues.

Nachdem alle Reden beendet waren gab es etwas zu trinken und zu knabbern und alle blieben noch ca. 2 Stunden im angeregten Gespräch zusammen. Obwohl es eine Gudden Ausstellung war, war Ludwig II. ständig präsent. Nur einige Stimmen meinten kritisierend: „Will man Dr. Gudden jetzt einen Heiligenschein umhängen?“ Die meisten waren von der Ausstellung „regelrecht euphorisiert“, wie der Bayerische Rundfunk meldete. Die „äußerst beeindruckende Schau“ sei „hervorragend recherchiert und unbedingt sehenswert“.

Wer die Ausstellung besucht, sollte Zeit mitbringen, denn die 80 Texttafeln sind umfangreich. Zentrales Ausstellungsstück ist Bernhard von Guddens Totenmaske, die bislang im Städtischen Museum Rosenheim unerkannt im Depot lagerte. Auf der Maske sieht man noch die Verletzungen, mit denen der Tote gefunden wurde. Daneben liegt eine Replik der Totenmaske Ludwigs II.

Erschienen ist auch ein spannendes Begleitbuch mit vielen interessanten Bildern und Aufsätzen.

Blick in die Ausstellung

Blick in die Ausstellung

Die Ausstellung ist empfehlenswert und kurzweilig. König Ludwig Verehrer, Anhänger und Freunde sollten sie nicht versäumen.

© Text & Fotos: Erich Adami, Mai 2014

Weiterführende Links zu bisherigen Presseveröffentlichungen:

Süddeutsche Zeitung: „Opfer oder Täter?“ (28./29.05.2014)
http://www.sueddeutsche.de

BR – Bayerisches Fernsehen: „Das Geheimnis des Dr. Gudden“ (27.05.2014)
http://www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/sendungen/abendschau/ausstellung-gudden-benediktbeuern-100.html

Merkur-Online: „Der König wäre ein sehr guter Patient gewesen“ (26.05.2014)
http://www.merkur-online.de/lokales/bad-toelz/benediktbeuern/der-koenig-waere-sehr-guter-patient-gewesen-3560816.html

Bayern 1 – Radio: „Psychiater Ludwigs II.: Ausstellung versucht Ehrenrettung“ (19.05.2014)
http://www.br.de/radio/bayern1/

Münchner Merkur: „Königsmörder – oder Opfer?“ (16.05.2014)
http://www.merkur-online.de

Passauer Neue Presse: „Wer ertrank da mit dem Kini?“ (16.05.2014)
http://www.pnp.de

Ruhr Nachrichten: „Ausstellung über Psychiater von Ludwig II.“ (15.05.2014)
http://www.ruhrnachrichten.de/leben-und-erleben/kulturwelt/aktuelles/Ausstellung-ueber-Psychiater-von-Ludwig-II;art617,2362896

Süddeutsche Zeitung: „Feind der Königstreuen“ (15.05.2014)
http://www.sueddeutsche.de/bayern/ausstellung-ueber-psychiater-von-ludwig-ii-feind-der-koenigstreuen-1.1964703

BR – Bayerisches Fernsehen: „Gudden-Ausstellung in Benediktbeuern“ (15.05.2014)
http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/oberbayern/gudden-ausstellung-benediktbeuern-100.html

Presse aktuell der Stadt Siegburg: „Der Psychiater, der mit dem Märchenkönig starb“ (14.05.2014)
http://www.siegburg.de/stadt/aktuell/kultur/nachrichten/der-psychiater-der-mit-dem-maerchenkoenig-starb/index.html

Mittelbayerische: „Der Psychiater des Märchenkönigs“ (12.05.2014)
http://www.mittelbayerische.de/nachrichten/oberpfalz-bayern/artikel/der-psychiater-des-maerchenkoenigs/1060166/der-psychiater-des-maerchenkoenigs.html

Die Welt: „Der Mann an Ludwigs Seite“ (12.05.2014)
http://www.welt.de/print/welt_kompakt/print_muenchen/article127889478/Der-Mann-an-Ludwigs-Seite.html

Wochenanzeiger München: „Des Königs Gutachter in anderem Licht“ (07.05.2014):
http://www.wochenanzeiger-muenchen.de/m%C3%BCnchen/vereine+%26+geschichte/nachrichten/Des+K%C3%B6nigs+Gutachter+in+anderem+Licht,64307.html

Abendzeitung: „Der Mann, der mit dem Märchenkönig im Starnberger See endete“ (01.05.2014)
http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.koenig-ludwig-ii-und-bernhard-von-gudden-der-mann-der-mit-dem-maerchenkoenig-im-starnberger-see-endete.3c5dab94-78f6-44e2-977a-58d8e17e054f.html

Isarbote: „Die erste Ausstellung über Dr. Bernhard von Gudden, den Psychiater, der mit König Ludwig II. starb“ (01.05.2014)
http://www.isarbote.de/kunst_-_kult/ausstellungen/ausstellungen.html

Oide Wiesn.de: „Der Mann, der mit König Ludwig II. starb“ (01.05.2014)
http://www.oide-wiesn.de/content/literatur/buchempfehlungen/der-mann_-der-mit-koenig-ludwig-ii_-starb_.html

Münchner Turmschreiber: „Dr. Bernhard von Gudden, der Gutachter König Ludwigs II.“ (01.05.2014)
http://www.muenchner-turmschreiber.de/index.php?id=54&tx_ttnews[tt_news]=35&cHash=068698726c90da623e8939185973600d

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iPhone-App: Ludwig II. – Auf den Spuren des Märchenkönigs

By admin - Last updated: Sonntag, Mai 4, 2014

Anlässlich der 125. Wiederkehr des Todestages König Ludwig II. fand 2011 die große Bayerische Landesausstellung im Schloss Herrenchiemsee statt (Ludwigiana berichtete ausführlich). Aus diesem Anlass erschienen zahlreiche Bücher, Neuauflagen, Bildbände, aber auch Neuerscheinungen mit bisher unveröffentlichten Informationen.

Am 26.09.2011 wurde eine App (Software zur Nutzung auf einem Smartphone) von der Bayerischen Staatsbibliothek (BSB) in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen (BSV) eingeführt. Die App enthält umfangreiches Material aus den digitalisierten Beständen der BSB und aus dem BSV-Bestand – darunter Bilder, Briefe, Karten und vieles mehr.

Im Gegensatz zu den Büchern ist das Material multimedial abrufbar; darunter sind Audio-Beiträge, über 40 Videos (jeweils ca. 90 Sekunden), Zeitzeugen-Interviews und –Berichte enthalten. Die mehr als 400 Bilder – jeweils mit ausführlichen Informationen – lassen sich mit den üblichen Fingergesten „wischen“. Darüber hinaus sind die Gebäude (auch inzwischen nicht mehr bestehende, wie z. B. der Wintergarten auf der Münchener Residenz) dargestellt. Viele Ansichten lassen sich als 360-Grad-Panorama vor Ort (mithilfe von Kompass und GPS) oder themenbezogen abrufen.

Durch die Integration von Google-Maps lassen sich orts- und kontextbezogene Informationen an Ort und Stelle darstellen – dies auch live durch ein Kamerabild, wenn man sich mit dem Sucher umsieht. Eine sehr schöne interaktive Variante der Spurensuche. Dazu gibt es die Listenansicht zur konkreten Suche.

Auch in den Schlössern selbst hilft die App mit Informationen weiter: durch einen Blick durch das Smartphone auf die Eintrittskarten von Linderhof, Neuschwanstein und Herrenchiemsee lassen sich diese digital in virtuellen 3D-Simulationen darstellen. An Ausstellungsgegenständen lassen sich konkrete, weiterführende Informationen aufrufen; z. B. Originalrezepte in der Hofküche von Hohenschwangau. In Herrenchiemsee kann man sich den Stundenschlag der Planetenuhr anhören und als Klingelton installieren; hier sollte man aber aufpassen, dass man nicht verdächtigt wird, gegen das Fotografierverbot zu verstoßen! Ganz frei darf man aber ja bspw. an der Todesstelle Ludwigs am Starnberger See herausholen und dort Informationen abrufen, wie das Gudden-Gutachten.

Insgesamt werden 140 Orte mit Ludwig-Bezug behandelt, darunter 80 mit ausführlichen Informationen über Hintergründe, Baugeschichte und Gartenanlagen.

Die App enthält allerhand Informationen, darunter viele, die speziell für diese App verfasst wurden, die neben einem „Einsatz vor Ort“ auch die Recherche hinterher und/oder zur Vor- und Nachbereitung.

Diese zum Teil recht umfangreichen Angebote sind in der App gespeichert, so dass sie auch offline abrufbar sind, was den Geldbeutel schont, da vor Ort nur geringe Daten übers Internet geladen werden müssen (es empfiehlt sich also, die App zu Hause über W-LAN abzurufen).

Ein Kalender informiert darüber hinaus über historische Ereignisse aus Ludwigs Leben am jeweiligen Tag oder per Push-Nachricht.

Als ersten Eindruck empfiehlt sich ein Blick in das Youtube-Video, dass auch verschiedene Einsatzmöglichkeiten vorstellt.

Ein Wermutstropfen ist allerdings schon, dass es diese Gratis-App nicht für alle Betriebssysteme gibt! So ist die App nur für Apple iPhones im entsprechenden Shop „iTunes“ erhältlich. Informationen zu den technischen Voraussetzungen und Inhalten (und zum neuesten Update in der Version 1.3) gibt es auf der Seite bei Apple.

Ausführliche Informationen zur App finden sich bei der Bayerischen Staatsbibliothek.

(c) Michael Fuchs, Berlin

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