Mari[j]a Alexandrowna – Der Zarin so nahekommen, wie noch nie

By admin - Last updated: Mittwoch, Januar 17, 2018

Mari[j]a Alexandrowna – Der Zarin so nahekommen, wie noch nie

Blick in die Ausstellung

„Mit der Kaiserin im Parke mondbestrahlt gegangen, viel, traut gesprochen über… das Wesen der Monarchie, Rußland, gottvoll, unvergeßliche Nacht; Heil dem Czaren, Anbetung dem Strahl der allmächtigen Krone“ notierte Ludwig II. von Bayern am 22. September 1867 anlässlich des Besuches der Zarin Mari[j]a Alexandrowna im Schloss Berg am Starnberger See in sein Tagebuch.

Der bayerische Monarch befasste sich gerade in seiner Jugend und den ersten Regierungsjahren intensiv mit Russland, dem Zarentum und auch der orthodoxen Kirche. Unabhängig von der für ihn sehr wichtigen Frage des Gottesgnadentums der Majestät: Es war die persönliche Beziehung zu seiner Tante, die als Marie von Hessen und bei Rhein (1824-1880) geboren wurde und 1841 den Thronanwärter Alexander (II.) heiratete, die die o.g. Themen für Ludwig so interessant machten.

Zu der 21 Jahre älteren Zarin fühlte sich der König sehr hingezogen und verehrte sie nahezu muttergleich. Daher führten die beiden eine rege Korrespondenz und besuchten sich bei zahlreichen Gelegenheiten, so in Darmstadt, Kissingen, Schwalbach und München.

Nun kann man der für Ludwig II. so wichtigen Person nahekommen, wie selten zuvor: Die Präsentation in Frankfurt zeigt sehr viele Ob

диск00076 Портрет императрицы Марии Александровны. Т.А. Нефф (копия с Винтерхальтера). 1864. Холст, масло. 158х103.

jekte aus dem persönlichen Besitz der Monarchin, darunter auch Briefe und andere Schriftstücke. Insbesondere zahlreiche Gemälde und Grafiken ermöglichen es, sich – im wahrsten Sinne des Wortes – ein besseres Bild von der Zarin zu machen.

Neben ihr werden drei weitere Prinzessinnen aus dem Haus Hessen vorgestellt: Wilhelmine von Hessen-Darmstadt (1755–1776) sowie die Schwestern Elisabeth (1864–1918) und Alix von Hessen und bei Rhein (1872–1918). Mit ihrer Konvertierung zum russisch-orthodoxen Glauben und ihrer Heirat nahmen sie einen neuen Namen an und wurden als Großfürstin Natalja Alexejewna, Großfürstin Jelisaweta Fjodorowna und Kaiserin Alexandra Fjodorowna und eben Marie von Hessen und bei Rhein als Kaiserin Marija Alexandrowna, Teil der Geschichte des russischen Kaiserreichs. Mit der Abdankung Nikolaus II. 1917 endete vor 100 Jahren dieses Kaiserreich.

Das Ikonen-Museum in der hessischen Stadt Frankfurt am Main nimmt das Ende der Zarenherrschaft zum Anlass, die vier Prinzessinnen aus Hessen mit mehr als 300 Objekten von rund 30 Leihgebern erstmals in Deutschland in dieser umfangreichen Art vorzustellen. Organisiert wurde die Ausstellung vom Kulturministerium der Russischen Föderation, der Stiftung zur Förderung der Wiederbelebung der Barmherzigkeits- und Wohltätigkeitstraditionen „Jelisawetinsko-Sergijewskoje Aufklärungsgesellschaft“ Moskau und der Hessischen Hausstiftung.

Selten können die Objekte in den vergleichsweise beengten Raumverhältnissen ihre Kraft und Ausstrahlung voll entfalten. Vor allem ist es unbedingt notwendig, sich über den Katalog, weitere Literatur (s. Literaturempfehlungen) oder Internet-Recherche einzulesen. Die Personen hinter den Objekten, die Zeitverhältnisse und Ereignisse dem Besucher näherzubringen, gelingt dieser Ausstellung nicht. Und dies vor allem, weil jegliche schriftlichen Erläuterungen und Zusammenfassungen fehlen.

Die teilweise komplizierten Strukturen des russischen (Staats-)Wesens und die enge Verzahnung zwischen Kirche und Macht sind für Westeuropäer nicht einfach zu entschlüsseln – in der Ausstellung aber durchweg präsent. In der Russisch–Orthodoxen Kirche wird den Schwestern Jelisaweta und Alexandra sowie Nikolaus II. und seinen Kindern seit ihrer Heiligsprechung im Jahr 2000 eine große Verehrung zuteil. Auch deswegen hält sich die Präsentation mit kritischen Tönen und dem Hinterfragen der Herrschaftsform und des Herrschaftshandelns zurück. Jedes einzelne Objekt nimmt aber genau darauf Bezug und würde ohne das ganz besondere Verständnis vom Zarentum nicht existieren.

Und dennoch: „Abschied, russische Hymne… dahin die Wonnetage! In goldigem Glanze!“ schrieb Ludwig II. anlässlich eines Abschiedes von der Zarin. Diese Worte könnten dem Besucher gewiss nach dem Verlassen der Präsentation mit ihren zahlreichen Pretiosen auch in den Sinn kommen.

Am Sonntag, den 28.Januar 2018 kann man von 15 bis 18 Uhr die Großfürstinnen und Zarinnen, die einst aus Hessen kamen, in Kurzvorträgen mit musikalischer Begleitung aus den Epochen intensiver kennenlernen.

© Marcus Spangenberg, Regensburg
Januar 2018


Angaben zur Ausstellung:

„Liebe, Glanz und Untergang.
Die hessischen Prinzessinnen in der russischen Geschichte“
Frankfurt am Main, Ikonen-Museum
Stiftung Dr. Schmidt-Voigt
Brückenstraße 3 – 7
60594 Frankfurt

noch bis zum 26. Februar 2018
Ikonenmuseum Frankfurt am Main

Das Museum bei Facebook

Literaturempfehlungen

In dem zur Ausstellung erschienenen Ausstellungskatalog sind nahezu alle Objekte beschrieben und abgebildet: Любовь, трагедия и долг. Гессенские принцессы в российской истории. / Liebe, Glanz und Untergang. Die hessischen Prinzessinnen in der russischen Geschichte, Frankfurt am Main 2017.

Speziell zur Zarin Mari[j]a Alexandrowna ist eine Biografie zu empfehlen, die erst vor Kurzem im Konrad Theiss Verlag (ein Imprint der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft) erschien: Marianna Butenschön, Die Hessin auf dem Zarenthron: Maria, Kaiserin von Russland, Darmstadt 2017(336 Seiten, 24,95 Euro).
In zwölf Kapiteln bringt uns die promovierte Historikerin Marianna Butenschön aus Hamburg das Leben und die Person der aus Hessen stammenden Monarchin näher. Viele kleine und größere historische Details führen uns in die Zeit am Zarenhof in St. Petersburg und an andere Orte. Zitate aus Briefen und Aussagen von Zeitgenossen runden das Bild der Prinzessin auf dem Zarenthron ab und bestätigen die intensive Recherchearbeit der Autorin.

Zudem zu empfehlen:

Abbildungen:

Titelbild

Blick in die Ausstellung

Titelmotiv der Biografie
über die Zarin Mari[j]a Alexandrowna
unter Verwendung eines Ölgemäldes
von Franz Xaver Winterhalter (1857).
© Konrad Theiss Verlag
Einblick in die Ausstellung
mit einem Teil der Objekte
zu Zarin Mari[j]a Alexandrowna.
Foto: Marcus Spangenberg
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Rezension: Mythos Burg – 2 Ausstellungen, 1 Katalog

By admin - Last updated: Montag, August 9, 2010

Zwei Ausstellungen zum Thema „Burg und Herrschaft“ und Buchbesprechung „Mythos Burg“

 


Herausgeber:     G. Ulrich GrossmannTitelbild Katalog der Ausstellung Mythos Burg
Autoren:             Autorenkollektiv
Titel:                   Mythos Burg
Umfang:             400 Seiten
Verlag:               Sandstein Verlag,
Dresden, 2010
ISBN                   3940319988
Preis:                  48 Euro
Anmerkungen:    weitere Titel zum Thema in Form einer Serie „Burg und Herrschaft“ Katalog von Rainer Atzbach sowie „Die Burg“ als wissenschaftlicher Begleitband.


In einem schönen Projekt präsentieren zwei Museen Sonder-Ausstellungen zu einem Thema in Form einer Kooperation.

Eine über 1000jährige Geschichte der europäischen Burgen wird an zwei Orten anschaulich dargestellt. Die Burg im Europa des Mittelalters zwischen Adelswohnsitz und Herrschaftssymbol bis hin zum Ausflugsziel im 19. Jahrhundert und in der Gegenwart.

Vom 25. Juni bis zum 24. Oktober 2010 zeigt das Deutsche Historische Museum in Berlin (DHM) die Ausstellung „Burg und Herrschaft“ in der Ausstellungshalle von I. M. Pei auf zwei Etagen und 1000 qm Fläche.

Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg (GNM) zeigt vom 08. Juli bis 07. November 2010 als Teil der Doppelausstellung „Mythos Burg“ mit rund 650 Objekten.

Berlin Nürnberg
Burg und Herrschaft Mythos Burg
25. Juni – 24. Oktober 2010 8. Juli – 7. November 2010
Ausstellungsort
Deutsches Historisches Museum
Ausstellungshalle von I. M. Pei
Unter den Linden
Hinter dem Zeughaus
10117 Berlin
Germanisches Nationalmuseum
Kartäusergasse 1
90402 Nürnberg  
Öffnungszeiten
Täglich 10 bis 18 Uhr Dienstag bis Sonntag:
10.00 bis 18.00 Uhr
Mittwoch:10.00 bis 21.00 Uhr
Eintritt
Tageskarte für alle Ausstellungen: 5 €
Jugendliche bis 18 Jahre frei
8,- € regulär
5,- € ermäßigt
Internet
http://www.dhm.de/ausstellungen/burg-und-herrschaft/ausstellung.html http://www.gnm.de/mythos-burg/

Die Berliner Geschichte hat in der allgemeinen Wahrnehmung zwar wenig zum Thema Burg zu bieten. Blickt man aber genauer hin und auch ins Umland, in die ehemalige Mark Brandenburg, so finden sich doch einige schöne Burgen und Ruinen. So widmet sich die Berliner Ausstellung im DHM der „Burg als Bauwerk“, hier von den spätantiken Bauwerken bis zu slawischen Wohnsitzen. In der zweiten Etage findet der Besucher die „Höfische Kultur und ihr Einfluss“; die Ausstellung mündet in der „Burgendämmerung“ des 15. und 16. Jahrhunderts, als diese Bauwerke den Feuerwaffen nicht mehr standhalten konnten und sich von Festungen in vornehme Wohnsitze wandelten.

Die Ausstellung ist sehr lebhaft und interaktiv eingerichtet; unter anderem kann man ein historisches Horn blasen und auch Repliken historischer Instrumente selbst spielen. Die Internet-Seite des DHM bietet einen attraktiven virtuellen Rundgang mit 360°-Panoramen der Ausstellung.

Das GNM ergänzt die Wissensvermittlung durch Schilderung der Entwicklung der Burg in der Zeit Karls des Großen bis heute. Werke der europäischen Kunst, wie Buchmalerei, Tafelaufsätze, Altargemälde und weitere Arbeiten repräsentieren die Epochen der Romanik und Gotik. Der Burgenbau vom 11. bis zum 18. Jahrhundert wird mit archäologischen Funden und Alltagskunst veranschaulicht. Die Burgengeschichte wird seit dem 17. Jahrhundert erforscht und ist Gegenstand von Zeichnungen, Literatur, Reisebegleitern und Karten. Dargestellt wird dies über die Romantik des 19. Jahrhunderts bis in die heutige Kunst, beispielsweise in Comics und Kinderspielzeug.

Neben umfangreichen Begleitprogrammen mit Vorträgen und Spezialführungen gibt es zwei Kataloge zu den Ausstellungen und einen Tagungsband als Publikation der Beiträge des Symposions auf der Wartburg, 19. – 22. März 2009 in Zusammenarbeit mit der Wartburg-Gesellschaft zur Erforschung von Burgen und Schlössern. Beide Museumsshops bieten auch zahlreiche Kinder- und Jugendbücher sowie ausgewählte Fachliteratur.

Für die Besucher des Literatur- und Informations-Portals „Ludwig2Bayern“ dürfte der Katalog der Nürnberger Ausstellung besonders interessant sein, weshalb dieser hier vorgestellt wird.

„Mythos Burg“ ist der Titel des umfangreichen Katalogs, der in acht Kapiteln zur Idealisierung der Burg informiert. Über die Burg als „Sinnbild und Symbol“ erfährt der Leser im nächsten Kapitel an einigen Beispielen mehr über die „Burgenbauten in Mittelalter und Neuzeit“. Es folgen zwei Kapitel zum „Mythos Ritter“ und ausgewählten „Ritterbiographien“. Das Alltagsleben wird in den Kapiteln 5 und 6 mit dem „Leben auf der Burg“ und „Leben im Kampf“ eindringlich beschrieben. Vom „Leben“ der Burg berichtet das Kapitel „Burgenglanz und Burgendämmerung“ mit den Schilderungen über Ruinen, Immobilien, Kunst und Kultur.

Im 8. Kapitel erfährt der Leser dann über „Mythos und Mystifizierung“ unter anderem über den Umgang mit der Burg im Barock und eben im Historismus. An fünf Burgen wird beispielhaft über die Erhaltung, aber auch Verklärung dieser Bauwerke informiert – bis hin zu den faschistischen Bauwerken mit ihren absurden vermeintlichen Traditionskonstrukten. Katalog und Kapitel schließen mit dem Rheintourismus und den Burgen in Kunst, Kitsch und Kommerz.

Der ausführliche Anhang bietet zahlreiche ergänzende Informationen und bietet eine gute Arbeits- und Recherche-Hilfe.

König Ludwig II. von Bayern (1845-1886) interessierte sich nicht nur für das Mittelalter in Sagen und Legenden, sondern auch – eben ganz zeitgenössisch – für die Bauwerke jener Epoche. Dabei lag ihm weniger am Erhalt oder der Rekonstruktion jener Burgen des Mittelalters als an einer Idealisierung des entsprechenden Eindrucks. Dies wird auch deutlich an der technischen Umsetzung, dem Bau, und der Nutzung neuester Technik, z. B. fließendem Wasser und ähnlichem „Komfort“. Stand bei den vorgestellten Burgen Stolzenfels am Rhein (bei Koblenz) und Wartburg (bei Eisenach) die Erhaltung alter Substanz noch im Vordergrund, so wurde aber auch hier schon sehr viel romantisch verklärt und teilweise verfälscht. Neuschwanstein wiederum hat zwar die Wartburg in Teilen zum Vorbild, ist aber sowohl ein kompletter Neubau als auch eine Neukomposition. Sie ist so perfektioniert, dass sie selbst zum Vorbild wurde – bis in die heutige Zeit, bspw. das Cinderella-Schloss in Disneyland.

Beide Ausstellungen sind absolut sehens- und besuchenswert; vermitteln sie doch auf kurzweilige Art viel Tiefe, aber auch Allgemeinwissen. Thema sind erstmals nicht der Ritter oder die höfische Kultur, sondern die Burg selbst. Die teilweise ungewohnten Einblicke tragen fast schon spielerisch zu vielen neuen Erkenntnissen bei. Die Burg als Wohnort, Schutzort, Herrschaftsort und eben Identifikationsort wird in den jeweils wichtigsten Grundzügen dargestellt. Der Katalog „Mythos Burg“ ist als Ergänzung der Ludwig-Bibliothek unbedingt zu empfehlen, da er einen Einblick in diesen Teil der Geschichte allgemein und der Burgen insbesondere bietet und damit einen großen Beitrag zum Verständnis des Bauherrn Ludwig von Wittelsbach im Kontext seiner Zeit.

Ausstellungs-Katalog
„Burg und Herrschaft“
Ausstellungs-Katalog
„Mythos Burg“
Begleitband
„Die Burg“
Burg und Herrschaft Mythos Burg Die Burg

Preis im Buchhandel:

48,00 EUR

48,00 EUR

38,00 EUR

Preis im Museum(sshop;
hier gibt es auch Sonderpreise beim Kauf aller Bände)

20,00 EUR

25,00 EUR

25,00 EUR

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© Michael Fuchs, Berlin, 09.08.2010
http://www.michaelfuchs.de

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