Lukas Gerber – Mein Ludwig 2 Theater

By admin - Last updated: Dienstag, April 19, 2016

Das Projekt „Mein Ludwig 2 Theater und seine Figuren“ wurde im Oktober 2010 nach der Ankündigung der Wiederaufnahme des Musicals „Ludwig 2″ von Lukas Gerber (damals 12 Jahre alt) aus dem Saarland gegründet. Die Idee dafür entstand bereits 2005 nach dem ersten Besuch des Ludwig² Musicals in Füssen.“

Im vergangenen Mai durfte ich „Mein Ludwig 2 Theater“ hier vorstellen.

Seitdem hat sich einiges getan.

Im letzten Sommer habe ich in 9 Wochen ein komplett neues Theater gebaut.

Das Theater besitzt eine komplexe Lichttechnik bestehend aus 90 Stimmungslichtern und 11 Spot-Scheinwerfern sowie eine extra Beleuchtung für das Prospekt. Diese Lichttechnik wurde freundlicherweise von www.ledkauf24.de für mein Theater entworfen.

Das Theater verfügt über eine eigene Drehbühne und einen echten „kleinen Starnbergersee“ wie im Festspielhaus in Füssen. In diesen „kleinen Starnbergersee“ mündet ein Wasserfall und entspringt eine Wasserfontäne.

Auch eine neue Rauchmaschine hat das Theater erhalten.

Das neue Theater präsentierte ich dann in einem Video zum 170.Geburtstag Ludwig II. am 25.08.2015 in Zusammenarbeit mit Janet & Marc und Nic Raine: „Lebe deinen Traum“.

Kurz nach der Präsentation des neuen Theaters fand die alljährliche Königsgala im Festspielhaus in Füssen statt. Dort war ich auch Gast und habe viele Darsteller und Teile des Kreativ-Teams wieder getroffen. Das durchweg positive Feedback ehrt meine Arbeit und freut mich sehr.

Passend zu dem neuen Theater war dann auch endlich eine neue Homepage nötig.

www.meinludwig2theater.jimdo.de ist die neue Internetdomain.

Hier kann man sich außerdem für einen monatlich erscheinenden Newsletter anmelden.

Vor kurzem konnte ich noch eine Erweiterung meines Theaters, einen Schnürboden, vorstellen.

Meine Facebook-Seite hat übrigens die 130er Marke „geknackt“, vielen Dank!

Ich freue mich zudem sehr auf den Sommer in Füssen, denn Ludwig² wird wieder im Festspielhaus aufgeführt und das Musical „Der Schwanenprinz“ feiert Welturaufführung.

Link zur Facebook-Seite https://www.facebook.com/Mein-Ludwig-2-Theater-und-seine-Figuren-168316993227107/?fref=ts

Link zum Video „Lebe deinen Traum“ https://www.youtube.com/watch?v=kF6wJ6oYsUw

Das neue Theater „Kalte Sterne“ „Geliebte Berge“

© Lukas Gerber, April 2016

Filed in Information • Tags: ,

Gersters Studie – Dr. med. Franz Carl: Der Charakter Ludwig´s II. von Bayern. „Eine psychologisch -psychiatrische Studie“

By admin - Last updated: Samstag, Februar 27, 2016
Michael Fuchs: Gersters Studie

Michael Fuchs: Gersters Studie

Michael Fuchs (Hrsg.): „Gersters Studie.“
Dr. med. Franz Carl: Der Charakter Ludwig´s II. von Bayern.
„Eine psychologisch -psychiatrische Studie“

Bd. 2 der Reihe Ludwigiana.
Berlin 2014.
Mit zahlreichen Abb.
198 Seiten – 15 EUR

1884, zwei Jahre bevor der Psychiater Dr. Bernhard von Gudden sein bis heute umstrittenes psychiatrischen Gutachten über König Ludwig II. verfasste, das zu dessen Entmündigung führte, bescheinigte ein anderer Arzt, Dr. Franz Carl Gerster, dem König eine geistige Erkrankung. Dr. Gudden war also nicht der erste und einzige Arzt, der bei Ludwig II. die Diagnose „Geisteskrankheit“ stellte.

Am 5. Februar 1884 erhielt der 31-jährige Zahnarzt Dr. Franz Carl Gerster, eine 4 ½ stündige Audienz bei Ludwig II., der eine dringende Zahnbehandlung wünschte. Der König, der sich üblicherweise gegen zahnärztliche Konsultationen sträubte, schien zu Dr. Gerster Vertrauen gefasst zu haben, vielleicht deshalb, weil er diesem jungen Mediziner in Paris und London ein Studium der Zahnheilkunde finanziert hatte. In Paris studierte Gerster, da er sich außerdem für Nervenheilkunde interessierte, kurzzeitig auch bei dem Nervenpathologen Dr. Jean-Martin Charcot und dem Neurologen Benjamin Ball.

Bald nach seiner Rückkehr wurde er 1884 zur nächtlichen Audienz beim König beordert, ein Ereignis, das ihn sehr erschütterte. Sofort nach seiner Rückkunft in München berichtete er deshalb dem Kabinettsekretär v. Ziegler und anderen hohen Beamten, auch Landtagsabgeordneten, von seinen Eindrücken bei der nächtlichen Konsultation des Königs und äußerte „mit aller Bestimmtheit, der König sei geisteskrank. Bayerische Psychiater würden sicher diese Ansicht teilen und man möge mit der Aufklärung aller maßgebenden Instanzen und Faktoren nicht warten, bis es zu spät sei. Von allen Seiten wurde mein Urteil“, so Gerster, „abgelehnt: Der König sei ein Sonderling, der nur die Bauwut habe wie sein Großvater Ludwig I., seine Phantasie sei hochfliegend, aber seine Intelligenz unversehrt. Verdacht auf ernst fortschreitende Geisteskrankheit werde das ganze Land als Hochverrat auslegen und brandmarken.“

Darauf zog sich Gerster zurück. Wäre es nach ihm gegangen, hätte man den König also bereits 1884 möglichst umgehend einer ärztlichen Behandlung zuführen müssen. Gerster schrieb seine Ansichten jedoch auf, so dass er sie unmittelbar nach dem Tod Ludwigs II. noch 1886 veröffentlichen konnten. Er tat dies unter dem Pseudonym „Dr. med. Franz Carl“ und dem Titel: „Der Charakter Ludwig´s II. von Bayern. Eine psychologisch-psychiatrische Studie auf Grund authentischer Mittheilungen und eigener Beobachtung“. Seine Schrift erschien in nur geringer Auflage im Leipziger Verlag von L. Staackmann. Erst später wurde bekannt, dass sich hinter dem Pseudonym „Franz Carl“ Dr. Gerster verbarg.

Seine Studie ist aus mehreren Gründen höchst bemerkenswert. Im Gegensatz zu Dr. Gudden konsultierte und beobachtete er den König bereits 1884. Seine Veröffentlichung stützt sich nicht auf die Aussagen von Hofbediensteten, sondern „theils auf die authentischen öffentlichen Mittheilungen über den König, theils auf solche privater Natur, sowie auf die Erinnerung an eine mehrstündige Audienz beim König“. Außerdem verfasste er die Studie aus eigenem Antrieb, ohne von irgendjemandem – also weder von Johann von Lutz oder Prinz Luitpold – dazu aufgefordert worden zu sein. Auch wenn seine Studie kein psychiatrisches Gutachten darstellt – er war ja kein Psychiater, sondern Zahnarzt – verdient sie wegen des bemerkenswerten psychologischen Urteils Aufmerksamkeit. Gerster hatte den Pariser Nervenpathologen Dr. Jean-Martin Charcot und den Neurologen Benjamin Ball gehört, außerdem, wie er betont, Richard Freiherr von Krafft-Ebings „Lehrbuch der Gerichtlichen Psychopathologie“ studiert. So gesehen war er also nicht „nur“ Zahnarzt, sondern auf Grund seiner differenzierten Studien gleichsam ein „Universalgelehrter“.

Es ist höchst verdienstvoll, dass der Berliner Ludwig II.-Kenner und -Forscher Michael Fuchs in seiner Buchreihe „Ludwigiana“ Gersters sonst kaum noch erhältliche psychologisch-psychiatrische Studie über den Charakter Ludwigs II. neu ediert und transkribiert hat. Eine ausführliche Biographie Gersters bietet detaillierten Einblick in dessen beruflichen Werdegang. Auszüge aus Gersters Tagebuch über die nächtliche Audienz bei Ludwig II. lassen die Person des bayerischen Königs lebendig werden und stellen ein wichtiges Dokument dar. Hilfreich sind auch die umfangreichen Anmerkungen, die das Verständnis des Textes erleichtern sowie das ausführliche Literatur- und Stichwortverzeichnis. Für einen jeden, der sich mit der psychisch-geistigen Situation Ludwigs II. gegen Ende seines Lebens ernsthaft befassen will, ist dieses von Michael Fuchs sorgfältig herausgegebene Dokument unverzichtbar.

Zu beziehen ist das empfehlenswerte Buch über den Herausgeber:
Michael Fuchs, Postfach 350109, D-10210 Berlin – gerstersstudie@michaelfuchs.de

© Alfons Schweiggert

Download des Flyers


Signatur der Bayerischen Staatsbibliothek: 2014.18982
Gersters Studie im BSB-Katalog

Signatur der Deutschen Nationalbibliothek: 176178-9
Gersters Studie in der DNB


 

Rezension im Main-Echo

Rezension im Main-Echo


Band 1 aus der Reihe „Ludwigiana“: „Die Waschgarnitur für Schloss Neuschwanstein“
Bilder und Informationen zur „Waschgarnitur“Besprechung der „Waschgarnitur“


 

Filed in Buchbesprechungen, Literatur, Ludwig II. • Tags: , , , , , , ,

Restauratoren reinigen im Marstallmuseum den Kleinen Galawagen König Ludwigs II.

By admin - Last updated: Freitag, Dezember 18, 2015

Restauratoren reinigen im Marstallmuseum den Kleinen Galawagen König Ludwigs II.

Besucher können die Arbeiten am Prunkfahrzeug beobachten

Wie die Bayerische Schlösserverwaltung bekannt gibt erwartet die Besucher des Marstallmuseums derzeit eine besondere Attraktion: Noch etwa zwei Wochen dauern die Restaurierungsarbeiten am Kleinen Galawagen König Ludwigs II. In rund 450 Arbeitsstunden reinigen Restauratoren vor Ort die Gold-Fassung der rund zwei Tonnen schweren und prunkvollen Kutsche. Sie konservieren die wertvolle Fassung bzw. ergänzen sowie retuschieren diese. Dasselbe gilt für Metallteile und die vergoldeten Bronzen. Die Kosten dafür belaufen sich zusammen mit der Sicherung und Konservierung der Textilien auf rund 45.000,- Euro.

Nach der Restaurierung des Neuen Galawagens (2014/2015), des Zweiten Nymphenschlittens (2013) und des Galaschlittens mit Putten (2011) ist der Kleine Galawagen das vierte Fahrzeug König Ludwigs II., das bald in neuem Glanz erstrahlen wird.

Großzügig finanziert wird die Restaurierung von der Meitinger-Stiftung. Prof. Dr. Otto Meitinger, der die Stiftung gemeinsam mit seiner verstorbenen Frau Dr. Erika Meitinger und seiner verstorbenen Schwester Dr. Charlotte Meitinger errichtet hat, war bis 1995 Präsident der Technischen Universität München, leitete als Architekt und Denkmalpfleger in den 1950er Jahren den Wiederaufbau der Residenz München und ist den Schlössern und ihren Kunstsammlungen sehr verbunden.

Der Kleine Galawagen – ein Multifunktionsfahrzeug mit Rädern und Kufen

Der Kleine Galawagen von 1878 (Schlitten mit Kasten) bzw. 1879 (Wagenkasten) ist das einzige erhaltene Multifunktionsfahrzeug des Münchner Hofs, der stets Kutschen mit Ersatz-Schlittenkufen für den Winter besaß. Trotz der prunkvollen Ausführung im Stil des Neo-Rokoko mit detailreichem figürlichen Schnitzwerk war der Wagen ein funktionsfähiges Fahrzeug, das in der Umgebung von Schloss Linderhof und Hohenschwangau von Ludwig II. für Fahrten zu jeder Jahreszeit verwendet wurde.

Im Sitzkasten befand sich ehemals eine Elektro-Batterie, mit der die Glaslaternen beleuchtet werden konnten. Der Königliche Hofwagenfabrikant Johann Michael Mayer erhielt für den „neuen blauen Prachtschlitten“ die stattliche Summe von 140.000 Mark, für das Wagengestell nochmals rund 118.000 Mark. Die kostbaren Gala-Geschirre (es wurde sechsspännig gefahren, in roter oder blauer Ausstattung) kosteten pro Geschirr ca. 5.500 Mark, also waren zwei komplette Geschirrsätze 66.000 Mark wert.

Das Marstallmuseum

Die weltweit einzigartige Sammlung von Kutschen König Ludwigs II. sowie der gesamte Bestand von Staats- und Galawagen der Wittelsbacher – insgesamt über 40 Fahrzeuge aus über 300 Jahren – war bis zum 2. Weltkrieg im alten Marstall am Marstallplatz nahe der Münchner Residenz untergebracht. 1952 wurde das Marstallmuseum in den ehemaligen Stallungen des Nymphenburger Schlosses eingerichtet. Das Marstallmuseum zählt zu den bedeutendsten seiner Art weltweit.

(c) Bayerische Schlösserverwaltung

Lesen Sie dazu auch unsere Rezension des Katalogs der Staats- und Galawagen der Wittelsbacher

Filed in Information, Ludwig II. • Tags: , , , ,

25. August 2015 – 170. Geburtstag König Ludwig II.

By admin - Last updated: Montag, August 24, 2015

„Orient in Linderhof“

Schloss Linderhof feiert mit einer exotischen „König-Ludwig-Nacht“ am 25. August den 170. Geburtstag des Königs

 

Kartenreservierungen für Sonderführungen und Konzert sind seit Samstag (1.8.) möglich

Exotisches im Graswangtal gibt es bei der diesjährigen „König-Ludwig-Nacht“ zu entdecken. Schloss Linderhof feiert am 25. August mit einem Festabend unter dem Motto „Orient in Linderhof“ den Geburtstag König Ludwigs II. von Bayern.

 

1500 Kerzen und Feuerschalen mit Weihrauch beleuchten die Gartenanlagen effektvoll

 

Die Festlichkeiten starten um 14.30 Uhr im Maurischen Kiosk mit Märchen aus 1001 Nacht für Kinder. Das Abendprogramm lädt ab 20.00 Uhr zu einem halbstündigen Konzert sowie zu Themenführungen durch den Schlosspark. Die Gartenanlage um das Schloss erstrahlt dank rund 1500 Kerzen in besonderem Licht. Feuerschalen mit Weihrauch lassen orientalische Düfte durch den Park ziehen.

Terrassengärten mit nächtlicher Illumination © Bayerische Schlösserverwaltung

Terrassengärten mit nächtlicher Illumination © Bayerische Schlösserverwaltung

Ab 21.20 Uhr beginnen die beliebten Nachtführungen mit musikalischer Untermalung im Schloss. Szenenische Lesungen am Marokkanischen Haus bringen den Besuchern die Orientbegeisterung in der Zeit Ludwigs II. nahe. Im Maurischen Kiosk entführen spannende Berichte von verwegenen Touristen, die vor 150 Jahren den Orient wirklich bereisten, die Besucher in längst vergangene Zeiten. Der Stummfilm „Sumurun“ aus dem Jahre 1920 bietet laut Lexikon des internationalen Films „… eine filmische Reise in ein Universum der Gefühle und Leidenschaften“. Die Vorführung findet im Musikpavillon statt.

Kostenlose Reservierungen für die Schlossführungen sind ab Samstag (1. August) unter Tel. (0 88 22) 92 03-21, Fax (0 88 22) 92 03-11 und sgvlinderhof@bsv.bayern.de möglich. Der Eintritt ins Schloss beträgt 11,50 Euro. Alle übrigen Programmpunkte sind kostenlos. (www.linderhof.de)

 

Königlich speisen im Schlosshotel beim „Menu en bleu royal“

 

Im Schlosshotel Linderhof kann man um 17.30 Uhr die „König-Ludwig-Nacht“ auch bei einem exklusiven Abendessen genießen. Tischreservierungen für das „Menu en bleu royal“ unter Tel. (08822) 7 90, Fax (08822) 43 47 und unter info@schlosshotel-linderhof.com.

 

„Dem Himmel nah“ – Bergmesse am Königshaus am Schachen

Die Bergmesse anlässlich der 170. Wiederkehr des Geburtstages des beliebten bayerischen Monarchen am 25. August ist ein Besuch, den man sicher nicht so schnell vergisst. Nach einem rund zehn Kilometer langen Aufstieg zu Fuß vom Elmauer Wanderparkplatz zum Königshaus können die Bergsteiger einen Gottesdienst in 1800 Metern Höhe vor grandiosem Bergpanorama erleben.

Die katholische Messfeier wird traditionsgemäß vom Pfarrer der Partenkirchener Pfarrei Maria Himmelfahrt zelebriert und beginnt um 11.00 Uhr. Einheimische Musikanten spielen dazu alpenländische Weisen.

Der auf 1866 Metern im Wettersteingebirge gelegene Zufluchtsort König Ludwigs II. ist nur zu Fuß erreichbar. Die Gehzeit beträgt je nach gewähltem Weg drei bis vier Stunden. Eine Mountainbike-Route startet von Klais bei Garmisch-Partenkirchen aus und führt Richtung Wettersteinalm zum Königsweg. Bitte achten Sie auf geeignetes Schuhwerk und Kleidung, denn die Bergmesse findet bei jeder Witterung statt.

Laut Auskunft der Bayerischen Staatsforsten, Forstbetrieb Oberammergau werden keine Sonder-Fahrgenehmigungen für die Schachenstraße erteilt. Familie Leitenbauer, die Pächter des Schachenhauses, informiert gerne über freie Plätze zum Übernachten in der Berggaststätte unter (0172) 876 88 68 und www.schachenhaus.de.

Im Anschluss an die Messe können Sie das Schachenhaus besuchen. Täglich finden um 11 Uhr, 13 Uhr, 14 Uhr und um 15 Uhr Führungen statt, bei reger Nachfrage werden weitere Touren angeboten. Der Eintritt kostet 4,50 Euro (ermäßigt 3,50 Euro).


Pressemitteilung 27. Juli 2015
Bayerische Schlösserverwaltung

Bericht zum Schachen und das neue Begleitheft

Weitere Ludwigiana-Informationen zu Schloss Linderhof

Weitere Ludwigiana-Informationen zum Schachen

 

Filed in Information, Linderhof, Ludwig II. • Tags: , , , ,

Traumschlösser? – Die Bauten Ludwigs II. als Tourismus und Werbeobjekt

By admin - Last updated: Donnerstag, Juli 16, 2015
Traumschlösser

Traumschlösser? Die Bauten Ludwigs II. als Tourismus- und Werbeobjekte

Marcus Spangenberg / Bernhard Lübbers
Traumschlösser? Die Bauten Ludwigs II. als Tourismus- und Werbeobjekte
Dr. Peter Morsbach Verlag, Regensburg 2015
ISBN: 978-3937527833
249 Seiten, 19,95 EUR

Der Macher

Marcus Spangenberg, Kunsthistoriker aus Regensburg, ist einer der jüngeren ausgewiesenen Kenner des bayerischen Märchenkönigs Ludwig II. Um dieses Thema hat er viele Bücher geschrieben, Vorträge in der ganzen Welt gehalten und Exkursionen mit der VHS zu den verschiedensten Stätten die dem Märchenkönig von Bedeutung waren gemacht. Sein Spezialgebiet aber ist die Vermarktung Ludwigs II. und seiner Schlösser. Dazu hat er eine sehr umfangreiche Privatsammlung aufgebaut.

Die Ausstellung

Einen Teil seiner Schätze hat der Kurator Marcus Spangenberg zusammen mit der bayerischen Staatsbibliothek Regensburg zu einer imposanten Ausstellung zusammen-gestellt, die noch bis zum 31. August in den Räumen der Staatsbibliothek in Regensburg zu sehen ist. Diese Ausstellung hat seit ihrem Beginn eine große Publikumsresonanz erfahren. Wie wichtig interessant und spannend diese Ausstellung ist kann man daran erkennen, dass zur Eröffnung viele hochkarätige Gäste aus der Geschichtswissenschaft und sogar ein Vertreter des Hauses Wittelsbach anwesend war.

Im 170. Geburtsjahr Ludwigs II. und zum bevorstehenden 130-jährigen Jubiläum der Öffnung der Königsschlösser beleuchtet die Ausstellung – ausgehend von den eigentlichen Absichten des Bauherren – die historische Entwicklung der Bauten zu Touristen-Magneten und die Folgen bis hin in die Werbung.

Mit rund 220 Objekten (alle aus der Regensburger Privatsammlung Marcus Spangenberg) ist die Ausstellung überschaubar und in ca. 2 Stunden zu begehen.

Das Begleitbuch

Zu der Ausstellung wurde ein Begleitbuch herausgegeben, das den Ausstel-lungskatalog und einige hervorragende Aufsätze verschiedener Autoren enthält.

Nur wenige Wochen nach dem bis heute mysteriösen Tod des bayerischen „Märchenkönigs“ Ludwig II. (1845 – 1886) begann der Ansturm auf die von ihm als „Heiligtum“ verstandenen Schlösser Neuschwanstein, Linderhof und Herrenchiemsee. Seither haben Millionen die be-rühmten Bauwerke besucht. Und ein Ende der bis heute ungebrochenen Anziehungskraft ist nicht abzusehen.

Der Inhalt

Amerikaner nach Linderhof

US-Amerikaner auf dem Weg nach Linderhof 1952 – Dia aus (c) Privatbesitz Marcus Spangenberg

Beginnen wir zuerst mit dem Katalogteil der von Marcus Spangenberg unter dem Titel „Bis auf Weiteres“ – Die Öffnung der Schlösser Ludwigs II. von Bayern und deren tou-ristische Entwicklung bis hin zu Objekten der Werbung geschrieben wurde. Brillant und sehr informativ beschreibt Spangenberg die einzelnen Objekte. Es gibt viele Bilder, eine Menge Hintergrundinformation und, was schön ist, es werden immer wieder die entsprechenden Quellen genannt. Der Schreibstil des Autors ist so leicht und schwungvoll, dass ein jeder die einzelnen Beschreibungen gerne bis zum Ende liest. Man sollte beim Begehen der Ausstellung den Katalog unbedingt in seinen Händen halten um sofort die entsprechenden Informationen zu erhalten.

Ebenfalls von Spangenberg geschrieben ist der wohl wichtigste Aufsatz im Begleitbuch – Profanierte Heiligtümer? Ludwig II. und seine Schlösser. – Hier beschreibt der Autor auf sehr spannende und informative Weise die Ereignisse vom 12. Juni 1886 als Ludwig II. auf Neuschwanstein festgesetzt wurde, über seinen Tod im Starnberger See und den Beginn des Medienrummels um den König und seine Märchenschlösser bis zum heutigen Tag.

Der dritte Aufsatz von Marcus Spangenberg in diesem Buch ist betitelt mit – Schloss Neuschwanstein oder: Wie ein Symbol entsteht. – Wie entwickelte sich der Kult um die Königs-schlösser und da besonders des wohl berühmtesten Schlosses der Welt – Neuschwanstein. Sehr anschaulich und spannend wird hier der Beginn des Tourismus zu den Märchenschlössern und da besonders zu Neuschwanstein geschildert. Es wird sehr anschaulich geschildert, warum der Run auf die Schlösser sehr schnell begann und warum der Strom der Besucher bis heute immer neue Rekorde bricht. Spangenberg erläutert auch, warum aus Ludwigkitsch im Laufe der Zeit große Kunst wurde.

Der Beitrag von Alexander Wisneth – „Reisen“ in vergangene Zeiten und zu fernen Orten – Die Königsschlösser Ludwigs II. auf dem Weg zum UNESCO-Welterbe. – Hier wird ein Kommentar zu den derzeitigen Bestrebungen des Freistaates Bayern geboten, Linderhof, Neuschwanstein und Herrenchiemsee als UNESCO-Welterbe anzuerkennen. Dieser Kommen-tar ist nicht sehr leicht zu lesen, aber er verdeutlicht die Tatsache, dass die Schlösser Ludwigs II. unbedingt zum Weltkulturerbe gehören.

Der nächste Beitrag ist von Mylene Wienrank – Schloss Herrenchiemsee als Tourismusobjekt. – Auch hier wieder ein wunderbar lesbarer Aufsatz über die Entwicklung des Tourismus am Beispiel von Schloss Herrenchiemsee. Es ist wirklich erfreulich, dass auch dieser Beitrag so geschrieben ist, dass es Spaß macht ihn zu lesen.

Marianne Göldl befasst sich in ihrem Beitrag – König Ludwigs Schlösser in der Werbung: Sammelbilder und Reklamemarken um 1900. Dies ist ein ganz interessanter Aspekt, die Sammelbilder, die wir ja alle zu dem einen oder anderen Thema auch heute noch kennen, in den Mittelpunkt zu stellen. Die Industrie hat schon früh gemerkt, wie werbewirksam Ludwig II. und seine Schlösser sind.

Ein weiterer Beitrag kommt von Georg Haber und Maximilian Heimler – Das gebrochene Kreuz des Löwen oder „Das Kreuz mit dem Löwen“ – Hier geht es um den Verschleiß von Metallplastiken der Königsschlösser durch touristische Nutzung und deren Restaurierung.

Der letzte Beitrag von Eginhard König mit dem Titel – Neuschwanstein und sonst nix. Der Schlösserbau Ludwigs II. im Spiegel alter Volkslieder. – Das ist ein interessanter Aufsatz über ein Thema, das bisher in dieser Form noch nie veröffentlicht wurde. In der Hauptsache wird hier die Entstehung und Entwicklung des berühmten Neuschwansteinliedes und dessen vieler, den Anlässen geschuldeter Veränderungen.

Abschließend möchte ich noch die hervorragende Bilderauswahl erwähnen und jedem empfehlen die Ausstellung zu besuchen oder zumindest das Begleitbuch zu bestellen. Man bekommt ihn bestimmt im Buchhandel, aber auch bei der Staatsbibliothek Regensburg direkt.

© Erich Adami
Juli 2015

Internet-Links:

Marcus Spangenberg
Marcus Spangenberg: Traumschlösser?

Staatliche Bibliothek Regensburg

Dr. Morsbach Verlag

Weitere Besprechungen des Buches:

Süddeutsche Zeitung

Mittelbayerische Zeitung

Filed in Buchbesprechungen, Herrenchiemsee, Linderhof, Literatur, Ludwig II., Neuschwanstein, Schlösser • Tags: , , , , , , , , , , ,

Sophie Charlotte – Sisis leidenschaftliche Schwester

By admin - Last updated: Sonntag, Juli 12, 2015

Neben der schier unendlich scheinenden Literatur zu König Ludwig II. von Bayern gibt es ganze sieben Publikationen zu seiner ehemaligen Verlobten, Herzogin Sophie Charlotte Auguste in Bayern (1847-97). Wie Sophies Schwester Sisi, die spätere Kaiserin von Österreich, ist sie eine Tante des Königs und wird – auf Betreiben deren Mutter, Herzogin Ludovika in Bayern, – mit Ludwig verkuppelt. Die „offizielle Beziehung“ hält nicht lange und Ludwig löst die Verlobung. Ganze sieben Kapitel widmet der Autor 1970 geborene Christian Sepp der Beziehung der beiden. Eine schöne Gelegenheit, die Beziehung von einer anderen Seite zu betrachten und dabei natürlich auch viel mehr über deren eigene, interessante Biografie zu erfahren.

Buchtitel

Christian Sepp: Sophie Charlotte Sisis leidenschaftliche Schwester

Sophie Charlotte – Sisis leidenschaftliche Schwester
Christian Sepp
August Dreesbach Verlag, München 2014
ISBN 978-3944334370
288 Seiten, 24 EUR

Eine Biografie der Herzogin in Bayern, Sophie Charlotte, der jüngsten Schwester der unter dem Namen Sisi weltbekannten Kaiserin Elisabeth von Österreich, liegt nun vor.

Geschrieben hat diese Christian Sepp und erschienen ist sie im August Dreesbach Verlag.

Wer sich mit dem Leben dieser Herzogin einmal beschäftigt hat, wird wissen, dass das Schicksal jener bayerischen Adligen reich an Aufregungen, Dramatik und großen Gefühlen war.

Bisherige Publikationen

So wundert es nicht, dass sich bereits eine Mini-Fernsehserie, eine TV-Dokumentation und auch die eine oder andere Romanautorin dieses Themas angenommen haben und somit ein Leben schilderten, das an spektakulären Ereignissen dem vieler anderer historischer Zeitgenossen in nichts nachsteht.

Bereits in der Dokumentation „König Ludwig und seine verbrannte Braut“ verarbeitete Heinz Gebhardt vor Allem die erst kurz zuvor aufgetauchten Liebesbriefe der Herzogin an den Fotografen Edgar Hanfstaengl, die bereits jede Menge Sprengkraft enthielten, erreichten sie doch ihren Adressaten zu einer Zeit, als die blutjunge Aristokratin noch – oder auch gerade noch – mit Ludwig II., dem König von Bayern verlobt war. Allein schon diese kurze Episode birgt schon jede Menge Potential.

Biografie

Verlobungsbild

Joseph Albert: offizielles Verlobungsphoto König Ludwigs II. mit Prinzessin Sophie in Bayern

Nun hat sich Christian Sepp des gesamten Lebens jener Sophie Charlotte Herzogin in Bayern angenommen, schildert ihre Kindheit und Jugend, eben die Verlobung mit dem Märchenkönig und die Aufhebung derselben als auch darüber hinaus die nicht ganz unproblematische Ehe mit dem Herzog von Alencon, der alle Hebel anwendete, um seine Gattin von einer Affäre mit ihrem bürgerlichen Arzt abzuhalten. Dass eben jener Ferdinand d´Orleans als Ehemann sich hierfür, ähnlich wie es im Falles des vorher kurzzeitig anverlobten Bayernkönig Ludwig II. geschah, den Mitteln der damals noch in den Kinderschuhen steckenden Wissenschaft der Psychiatrie bediente, und seine Ehefrau aus diesem Grund in einer psychiatrischen Klinik unterbrachte bis sie von ihrem „Leiden“ geheilt war, macht die Angelegenheit besonders pikant.

Auch und gerade die Gefühlswelt Sophie Charlottes hat es dem Autor angetan, wenn er ihre jahrelangen mentalen Schwankungen, die jener ihrer berühmten Schwester Sisi nicht unähnlich sind, schildert. So sucht Sophie in späteren Jahren ihren Frieden in einer verstärkten Hinwendung zur Religion, indem sie sich dem Orden der Dominikaner anschließt.

Den traurigen Höhepunkt findet Christian Sepps Biografie selbstverständlich in der Schilderung des tragischen Todes der Protagonistin in der Flammenhölle eines Pariser Wohltätigkeitsbasars im Jahr 1897.

Dabei beleuchtet der Autor auch immer die Beziehungen zu der weitverzweigte Familie der Herzogin in Bayern, als auch derer der d´Orleans. So finden sich im Anhang des Buches dann auch noch die Kurzbiografien der wichtigsten Personen, die das Leben Sophie Charlottes begleitet haben, als auch sieben Stammtafeln, die dem Leser die nicht ganz unkomplizierten familiären Verbindungen verdeutlichen.

Ein sehr umfassendes Quellenverzeichnis zeugt von der gründlichen Recherche des Autors, dem außerdem in einer Zufallsentdeckung von bis dato unbekannten Briefen Sophie Charlottes an ihre Tochter, das Glück noch weitere historische Dokumente aus absolut erster Hand zuspielte. So konnte die Auswertung dieser Briefe direkt in die Biografie einfließen.

Zusammenfassung

Trotz der vielen Fakten, historischen Daten und der Komplexität einer weitverzweigten adligen Familie, verteilt in ganz Europa, gelingt es Christian Sepp seine Biografie spannend und geradezu kurzweilig und damit äußerst lesenswert zu verfassen. Angesichts des wendungsreichen, teils tragischen und immer Gefühlsschwankungen unterworfenen Lebens, trägt die Biografie den zunächst etwas populistisch anmutenden Untertitel „Sisis leidenschaftliche Schwester“ absolut zu Recht.

Dem Leser wird der beeindruckende Lebenslauf einer unkonventionellen, aufbegehrenden Frau in den Zwängen der starr reglementierten adligen Gesellschaft der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts lebhaft vor Augen geführt. Die politischen Ereignisse der Zeit finden durch den Autor die adäquate Beachtung.

Bemerkenswert empfand ich die Sensibilität und den Respekt, den der Autor den in seiner Biografie behandelten Personen zukommen lässt. Insbesondere auch in der interessanten Beziehung Sophie Charlottes zu Ludwig II. von Bayern gelingt es Christian Sepp die jeweiligen Motive der beiden Verlobten äußerst einfühlsam zu umreißen. Auch überrascht er den Leser in diesem Kontext auch mit dem einen oder anderen bislang noch nicht beleuchteten Detail.

Auffällig an dem im Dreesbach Verlag publizierten Buch ist die äußerst liebevolle und besonders hochwertige Aufmachung.

Dies dokumentiert sich sowohl im festen Papier, dem farbigen Buchschnitt als auch im hochwertigen Druck und einem schönen Schriftsatz.

Ergänzt wird der Text durch eine Vielzahl schwarzweißer Abbildungen von denen viele bislang noch nicht publiziert gewesen sein dürften.

Alles in Allem möchte ich diese äußerst lesenswerte Biografie aus vollem Herzen weiterempfehlen.

© Carsten Meyer
Juli 2015

Internet:

August Dreesbach Verlag

Wikipedia

Weitere Besprechungen zum Buch:

LovelyBooks

Süddeutsche Zeitung

Eulengezwitscher

Schreibstation

Lesen und Hören

Filed in Buchbesprechungen, Literatur, Ludwig II. • Tags: , , , , , , , , ,

Der Mann, der mit Ludwig II. starb

By admin - Last updated: Sonntag, Juni 14, 2015

Der Mann, der mit Ludwig II. starb
Alfons Schweiggert
Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, Husum, 2014
ISBN 978-3-89876-723-1
224 Seiten, 16,95 EUR

Noch bis zum 21.06.2015 findet in Prien im Heimatmuseum am Chiemsee die Ausstellung „Psychiater und Märchenkönig – Dr. Bernhard von Gudden und Ludwig II.“ statt. Prien ist damit schon der zweite Ort, der den in Kleve am Niederrhein geborenen Psychiater mit einer Ausstellung zu Persönlichkeit und Arbeit Guddens würdigt. Zum ersten Mal wurde die von dem Schriftsteller Alfons Schweiggert betreute Ausstellung unter dem Titel „Dr. Bernhard von Gudden – der Mann, der mit Ludwig II. starb“ vom 15.05. bis 17.07.2014 in Benediktbeuern gezeigt. Das eigenständige Begleitbuch ist 2014 im Husum-Verlag erschienen.

Es gibt zweifellos Menschen, die polarisieren. Dazu gehört eindeutig der bayerische König Ludwig II. (1845-1886), der für die einen ein Träumer, ein Künstler auf dem Königsthron war. Ein ganz anderer Mensch war Bernhard Gudden, der den Lebensweg des Königs kreuzte. Für seine Kritiker hat Gudden „ein vernichtendes Urteil“ auf Grund von Aussagen „befangener medizinischer Laien“ gefällt und einen Menschen unter Druck für gänzlich unheilbar krank erklärt. Für den Arzt habe das Verlangen der bayerischen Regierung Vorrang vor der Behandlung und dem Wohl seines Patienten gehabt, so dass dieser „Verrat an seinem Beruf“ begangen habe. Für diese Kritiker ist Gudden eine „Unperson“.

Mit Zahlen von der Geburt zur Vermessung der Gehirne

In 10 Kapiteln mit einem umfangreichen Anhang beschreibt Schweiggert zunächst das Leben des Dr. Bernhard von Gudden, seine Lebensstationen von der Geburtsstadt Kleve am Niederrhein, wo er auch seine Jugend verbrachte, über Stationen des Studiums (Bonn, Halle und Berlin) bis hin zu seinen beruflichen Stationen von Siegburg über Werneck, Burghölzli und schließlich nach München.

Nach dem Lebens-Verlauf erfährt der Leser einiges über die „Psychiatrie zur Zeit Dr. Bernhard von Guddens“; vom Umgang mit Geisteskranken über die Irrenhausreform und schließlich dem recht jungen Ansatz des „No restraint“, also der Ablehnung von Zwangsmaßnahmen, der erst von seinen Zeitgenossen Ludwig Meyer und Wilhelm Griesinger in den deutschen Ländern Thema wurde. Schließlich beschreibt der Autor die „fünf Rollen des Dr. Bernhard von Gudden“ als Psychiater, Forscher, Anstaltsleiter, Lehrer und Gutachter.

Überhaupt scheint Schweiggert ein Anhänger von Zahlen zu sein, zählt er doch neben den 5 Rollen und den 10 Lebensstationen, 6 Ergebnisse der Spurensuche und 9 Theorien, wie Gudden starb, auf.

Im 19. Jahrhundert wurde ja fast alles zwanghaft gemessen, was manchmal durchaus zum Selbstzweck wurde. Jedoch wurden nur sehr wenige Zusammenhänge zwischen den Messergebnissen und der Theorie hergestellt. Nach den Befunden wurde dann deutlich, dass viele Wissenschaftler einfach nur Belege sammelten, die ihre Theorien bestätigten, ohne sie wirklich jemals zu überprüfen. Auch Gudden hat Gehirne vermessen und versucht, verschiedene Zusammenhänge zu seinen Theorien herzustellen. Zu einem Endergebnis ist er dann – in seinem letzten Fall – nicht mehr gekommen.

Der Mediziner und der König

Den Kern des Buches bilden aber die beiden Kapitel „Gudden und Ludwig“ sowie „Gudden, der umstrittene Gutachter“. Ausführlich beleuchtet Schweiggert die Beziehung der beiden zueinander, um dann die Sichtweisen der beiden aufeinander – als Gutachter und als politisch agierender König – aufzuzeigen.

Wichtig ist es dem Autor, die abenteuerlichen Gerüchte und Vorurteile gegen die historische Persönlichkeit Guddens als Mediziner abzuwägen. Gudden ist ja tatsächlich in eine Rollendiffusion geraten und wurde als Mitverantwortlicher für das entscheidende Gutachten zum Sündenbock. Ausführlich stellt er die Unterstützer und Mitverantwortlichen vor, wozu sicher auch die Gläubiger zählten.

So haben also sicher mehrere Personen und auch Umstände den Forscher in eine bestimmte Richtung innerhalb des „Räderwerks der Entmündigungsmaschinerie“ gedrängt. Dennoch ist er seinen Ansätzen treu geblieben, die auch heute noch – sicher modifiziert – in die moderne Psychiatrie einfließen. Dem Gutachten aus heutiger Sicht widmet Schweiggert die beiden letzten Kapitel. Er zeigt „Urteile über das Gutachten“ ebenso auf, wie die „diagnostischen Konzepte über Ludwig II. von 1886 bis 2014“.

Das Gutachten

Das Gutachten selbst ist im Anhang abgedruckt. Leider fehlen hier die 21 Bögen, die die eigentlichen Argumente für das Gutachten lieferten. Darunter der sehr selten veröffentlichte Bogen 16, der die Homosexualität – also die „anormalen geschlechtlichen Beziehungen“ Ludwigs – thematisierte. Der Autor führt die gleichgeschlechtliche Liebe fälschlicherweise als „nicht ausdrücklich erwähnt“ auf – es ist jedoch ausdrücklich von einer „Vorliebe für Leute ohne Bildung“ und einer „Abneigung gegen das weibliche Geschlecht“ die Rede. Der Begriff „Homosexualität“ setzte sich erst Anfang des 20. Jahrhunderts (Magnus Hirschfeld berichtet 1914 darüber) durch.

Diese Beziehungen waren eine der neun Theorien, die letztlich die Befunde zum Gutachten lieferten. Auf Seite 88 führt der Autor die Befunde in einer der sehr aufschlussreichen Tabellen an:

Es sind nicht alle Bögen des Gudden-Gutachtens im Buch enthalten, da hierzu – wie Schweiggert erläutert – „dann aber eine ausführliche Analyse erforderlich gewesen [wäre], welche Teile der Zieglerschen Aussagen Gudden in seinem Gutachten ausgewählt hat. Das aber hätte den Umfang des Buches sicher gesprengt und leicht zur Verwirrung beigetragen.“ Alle Protokolle und Bögen des Gutachtens finden sich aber unter anderem in „Kommission für bayerische Landesgeschichte: König Ludwig II. von Bayern. Krankheit, Krise und Entmachtung. Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 2011. Band 74 [Heft 2], München 2011“.

Erstmals in der Ausstellung zu sehen war die Totenmaske Guddens, die in einer Obstkiste in einer Ecke des Rosenheimer Museumsarchiv gefunden wurde. Dieser widmet Schweiggert ein ganzes Kapitel, da es „einen Blick auf sein [Guddens] Leben“ biete. Hier wird von der Entstehung der Maske, deren Weg und schließlich ihrem Fund berichtet, um schließlich noch einige „Merkmale am Leichnam Dr. Guddens“ zu schildern.

„Das Schicksal des Bayernkönigs ist viel zu eng mit jenem Dr. Guddens verbunden, als dass man seinen Blick nur auf Ludwig II. richten darf, aber den Arzt, der ihn diagnostizierte, verächtlich beiseiteschiebt. Wer dies dennoch tut, der bekundet damit, dass er sich nur halben Wahrheiten öffnen und sich mit primitiven, schnell gefassten Vorurteilen zufrieden geben will.“ antwortet Schweiggert im Vorwort seinen Kritikern und bietet all jenen, die weiteren Wahrheiten offen gegenüber stehen eine Menge Material an.

Das zeitgleich zur ersten Ausstellung erschienene Buch ist kein Katalog im herkömmlichen Sinne, dass die Exponate zeigt und erläutert. Zahlreiche Abbildungen finden sich im Mittelteil des Buches (Seiten 113-120) und erläutern den Text. Das Buch selbst ist allerdings recht schwere Kost, die aber jeder zu sich nehmen sollte, der bereit ist, sich mit dem Gutachter, dem Gutachten und den daran beteiligten Personen ernsthaft beschäftigen möchte. Zwar gibt es bereits Veröffentlichungen, die den Psychiater thematisieren (z. B. Hippius/Steinberg, 2006) – diese richten sich allerdings an ein entsprechendes Fachpublikum. Die hier vorliegende Publikation, deren Textlastigkeit nicht abschrecken sollte, beleuchtet wirklich alle Seiten zu dem umfangreichen Themenkomplex.

(c) Michael Fuchs, Berlin
Juni 2015

Filed in Buchbesprechungen, Information, Literatur, Ludwig II. • Tags: , , , , , , ,

50 Kilometer Nachtwandern: Zum Todestag des Märchenkönigs rund um den Starnberger See

By admin - Last updated: Dienstag, Mai 19, 2015

Der „Bavaria Königsmarsch“ von 12. auf 13. Juni setzt neue Akzente. Die Teilnahme an der ersten „Kultur-Nacht-Ultra-Wanderung“ ist gratis

Dirndl, Lederhose – oder doch besser Funktionskleidung? Ganz egal, Hauptsache gute Schuhe. Denn es sind immerhin 50 Kilometer rund um den Starnberger See. Hier, wo Bayerns Lieblings-Regent Ludwig II. anno 1886 ertrank, wird er beim 1. Bavaria Königsmarsch wieder wach. Beim Wandern zwischendurch und an zentralen Stationen erzählen Geschichts-Experten aus dem Leben des visionären Monarchen, der Wissenschaft und Kunst liebte und die Nachwelt mit seinen Schlössern beglückt. Die Veranstaltung, die als „Kultur-Nacht-Ultra-Wanderung“ neue Akzente setzen will, beginnt am 12. Juni um 22 Uhr in Starnberg und endet zwölf Stunden später – am Todestag des Märchenkönigs – wieder am Ausgangspunkt. Die Teilnahme ist gratis.

Abbildung 1: Das König-Ludwig-Kreuz am Starnberger See © B. Maniak

„Wir sind sportlich unterwegs, aber ohne Leistungsdruck und Zeitmessung“, so Michael Raab von der Sport- und Tourismus-Agentur B. Maniak, die den „Bavaria Königsmarsch“ ins Leben gerufen hat. Denn anders als bei herkömmlichen Ultra-Touren (worunter man alles versteht, was länger ist als 42 Kilometer) steht nicht der sportliche Aspekt im Vordergrund, sondern das gemeinsame Erleben, Erfahren und Genießen. „Dazu gehört auch das aktive Wahrnehmen von Landschaft und Umgebung“, führt Raab aus. Und verspricht zu diesem Part zahlreiche Informationen und Anregungen.

Von Starnberg führt der Weg am linken Seeufer entlang zum Schloss Possenhofen, wo Ludwigs Cousine, die österreichische Kaiserin Sisi, aufwuchs. Die beiden pflegten eine Seelenverwandtschaft, gelegentlich auch bei heimlichen Ausflügen auf die nahe gelegene Roseninsel – die einzige Insel übrigens im zweitgrößten See Bayerns. Weiter geht’s nach Tutzing, wo sich die Teilnehmer gegen ein Uhr nachts im Midgardhaus, das direkt am Seeufer liegt, stärken können. Die zweite Rast, bei Bedarf mit kräftigem Wanderfrühstück, gibt’s gegen 5.30 Uhr im Schloßgut Oberambach, von dem aus man einen herrlichen Blick aufs Wasser und die Berge genießt. Von hier aus ist es nicht mehr weit bis Schloss Berg und dem schlichten Holzkreuz im See, das die Stelle markiert, an der Ludwig II. ertrunken ist. Oder wurde? Denn bis heute sind die Todesumstände nicht wirklich geklärt. Es gibt verschiedene Versionen, die allesamt dazu beitragen, dass der Mythos lebt.

Der „Bavaria Königsmarsch“ startet am 12. Juni um 22 Uhr am S-Bahnhof in Starnberg. Rucksack mit Proviant und Getränken (1,5 Liter werden empfohlen, zwischendurch kann aufgefüllt werden) nicht vergessen. Die Teilnahme ist gratis, die Verpflegung in Midgardhaus und Schoßgut Oberambach selbst zu zahlen. Um Anmeldung unter www.ultrawandern.com wird gebeten.

Über die Region Starnberg-AmmerSee:

Die Region Starnberg-AmmerSee mit ihren Bauerndörfern und prächtigen Residenzen liegt südwestlich von München. Starnberger See, Ammersee, Pilsensee, Wörthsee und Weßlinger See mit ihren mehr als 100 Ufer-Kilometern sind im Sommer wie im Winter Anziehungspunkte. Der Hochadel, darunter Märchenkönig Ludwig II. und seine Großcousine Kaiserin Elisabeth von Österreich („Sisi“), residierten einst in herrschaftlichen Villen und Schlössern, die noch heute am Ufer des Starnberger Sees thronen.

Abbildung 2: Hinweisschild „Zur Gedenkstätte“ © B. Maniak

Weitere Infos:

Tourismusverband Starnberger Fünf-Seen-Land, Hauptstraße 1, 82319 Starnberg,

Tel. 08151/90 600, Fax 08151/90 60 90, www.sta5.de, info@sta5.de

Filed in Information, Ludwig II., Veranstaltungen • Tags: , , ,

Lukas Gerber über sein „Ludwig-2-Theater“

By admin - Last updated: Montag, Mai 18, 2015

Mein Ludwig-2-Theater und seine Figuren

Das Projekt „Mein Ludwig 2 Theater und seine Figuren“ wurde im Oktober 2010 nach der Ankündigung der Wiederaufnahme des Musicals „Ludwig 2“ von Lukas Gerber (damals 12 Jahre alt) aus dem Saarland gegründet. Die Idee dafür entstand bereits 2005 nach dem ersten Besuch des Ludwig² Musicals in Füssen.

Auch in der Allgäuer Zeitung erschien er deshalb bereits 2x (zum Artikel)

Ich lasse das Ludwig – Musical, welches von 2005-2007 in Füssen und 2011 in Kempten aufgeführt wurde, mit meinem Theater weiterleben. Ich habe mir aus Holz mein eigenes Theater gebaut und baue die Kulissen, damit sie wie im Original-Musical aussehen, selbst. Auch die Figuren (Playmobil) gestalte ich anhand der Original-Darsteller eigenständig. Ich habe eine Facebook Seite, dort stelle ich dann wöchentlich Videos, Bilder und Texte zum Ludwig Musical ein z.B.: von einer neuen Figur oder ein Video zu einer Szene vom Ludwig-Musical…

Des Weiteren fahre ich auch 3x jährlich nach Füssen in Urlaub, um mir dort unter anderem neue Ideen einfallen zu lassen. Zudem habe ich eine eigene Homepage (www.dasludwig2theater.oyla.de) mit eigenem Newsletter.

Die Reaktionen der Darsteller und des Kreativ-Teams, welche durchweg positiv sind, freuen mich sehr.

Ich freue mich, wenn sich weitere König-Ludwig-Fans oder Ludwig-Musicalfans die Seite anschauen.

Die König-Ludwig Figur bei der Krönungsszene Das Theater während einer Szene
© Mein Ludwig 2 Theater/ Lukas Gerber (Logo by Nadine Baldzer)

Link zur Facebook-Seite

Link zum Trailer 2015

© Lukas Gerber, Mai 2015

Filed in Information, König-Ludwig-Freunde • Tags: ,

Luchino Visconti: Ludwig II. (BluRay)

By admin - Last updated: Montag, März 2, 2015

1972 schafft einer der bedeutendsten Regisseure des europäischen Kinos, Luchino Visconti, seinen Film „Ludwig II.“ Der am 22.03.1973 in einer zensierten Form in Bonn uraufgeführte Film wurde weitgehend an originalen Schauplätzen gedreht und ist der dritte Teil von Viscontis „Deutscher Trilogie“, zu der „Die Verdammten“ (1969) und „Tod in Venedig“ (1971) gehörten. Es gibt einige Highlights, wie z. B. die wohl einzige Filmaufnahme des „Tischlein-deck-Dich“ in Schloss Linderhof. Man kann den Film wohl ohne Übertreibung ein echtes prunkvolles Meisterwerk nennen.

Die verstümmelte Version, gegen die Visconti juristisch – erfolglos – vorgegangen ist, wurde rekonstruiert und 1993 vom ZDF in zwei Teilen ausgestrahlt. Der Film ist im Jahr 2000 auf VHS und als DVD erschienen; 2007 folgte eine „Arthaus Premium“-Version mit zahlreichen Extras (Filmdokumentation über Luchino Visconti, Dokumentation „Helmut Berger: Mein Leben“ und einem 16-seitigen Booklet). Im Januar 2015 ist nun eine BluRay-Version des Films erschienen, die wir hier vorstellen.

Gut Ding braucht Weile, möchte man sagen. Doch im Fall von Viscontis Ludwig II. war das Erscheinen auf BluRay längst überfällig. In Zeiten, in denen großformatige HD-Fernseher zur audiovisuellen Standardausrüstung der meisten Wohnzimmer gehören, bietet die DVD längst kein angemessenes Sehvergnügen mehr – das gilt umso mehr für dieses Meisterwerk, bei dem die Leinwand eigentlich nicht groß genug sein kann.

Auf Inhalt und Geschichte dieses Films, den Dreh an Originalschauplätzen und Helmut Bergers legendäre Personifizierung des Bayernkönigs muss an dieser Stelle nicht nochmals eingegangen werden. Alle diese Stärken, die Viscontis Werk zu einem unerreichten Solitär unter den Ludwig-Verfilmungen machen, kommen auf BluRay aber um ein Vielfaches eindrucksvoller zur Wirkung.

Im Direktvergleich mit den bisher erschienenen DVD-Fassungen wirkt das Bild erheblich detailreicher. Die feinen Muster auf Tapeten, die Motive der Wandbilder oder einfach Helmut Bergers zerzauste Haare des späten Ludwigs – vieles, was im DVD-Bild in pixeliger Unschärfe unterging ist jetzt scharf und plastisch. Glücklicherweise fiel das natürliche Filmkorn („Grain“) des Originalmaterials nicht irgendeiner digitalen Rauschunterdrückung zum Opfer, so wie es so manch anderes Meisterwerk zugunsten künstlicher Schärfe auf BluRay erleiden musste.

Im Gegenteil: Das Bild wirkt sehr ausgewogen und im Vergleich zur DVD wesentlich natürlicher und weniger verwaschen. So leben z. B. Schneefall und Filmkorn im gleichen Motiv in friedlicher Koexistenz. An ganz wenigen Stellen führt die Aufhellung des Bildes zu leichten Grauschleiern, wo man eigentlich ein Schwarz erwartet – das fällt aber nicht wirklich ins Gewicht, denn am Kontrast gibt es sonst nichts zu mäkeln. Auch die Farben sind jetzt klarer, realistischer und nicht mehr so überzeichnet und übersättigt wie teilweise in der DVD-Fassung.

Endlich entfaltet der Detailreichtum in Ludwigs Schlössern auf dem heimischen Fernseher seine verdiente Pracht. Nie sah der Spiegelsaal von Herrenchiemsee spektakulärer, die Hundinghütte verruchter oder die Winterlandschaft kälter aus. Ein echtes Seherlebnis.

Am Mono-Ton hat sich natürlich nicht viel verändert – das war aber auch nicht zu erwarten. Erwartet hatte man dagegen das ein oder andere Extra auf der BluRay – leider Fehlanzeige. Die meisten Fans besitzen wahrscheinlich bereits die DVD-Premium-Edition mit diversen Extras und können es daher verschmerzen, mit der BluRay eine „Film-Only“-Ausgabe zu kaufen. Wer sich das Meisterwerk aber zum ersten Mal fürs Heimkino zulegt, dürfte zurecht über die magere Zusatzausstattung enttäuscht sein.

Übrigens sollte man sich nicht über die im Vergleich zu den bisherigen DVDs geringere Gesamtlaufzeit wundern. Die BluRay-Version enthält die komplett ungeschnittene Fassung – so wie auch die DVDs. Stattdessen wurde jetzt nur auf die für die damalige TV-Ausstrahlung erforderliche Auftrennung in mehrere Episoden verzichtet, deren jeweiliger Vor- und Abspann in die Laufzeit der DVD-Fassung eingerechnet wurde.

Kurz gesagt: Trotz des Alters des Films erstaunt einen der qualitative Quantensprung, den man hier von der DVD zur BluRay erleben darf. Wer jetzt noch keinen BluRay-Player oder HD-Fernseher sein eigen nennt, hat endlich einen Grund, auf den neuesten Stand der Technik aufzurüsten. Und wer zuhause bereits auf dem neuesten Stand ist, den kostet dieses Kunstwerk keine 15 €.

© Stefan Klein
Berlin, 02.03.2015

Visconti_Ludwig II_BluRay Sprachen/Ton: Deutsch und Italienisch

Untertitel: Deutsch

 

Laufzeit: ca. 238 Minuten

 

Bildformat: 2,35 : 1

 

Auflösung: 1080/24p Full HD

 

Preis: 12,99 EUR

Filed in Information, Literatur, Ludwig II. • Tags: , , , , , ,